Kapitel Neun

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Rückwirkende Verluste

Das Vakuum ist der lebensfeindlichste Ort im ganzen Universum. Wer ohne ausreichenden Schutz dem Vakuum ausgesetzt wird kann sich sicher sein nicht zu überleben, nur die Todesursache kann unterschiedlicher Natur sein.

Im Zeitalter interstellarer Reisen ist es relativ unwahrscheinlich im tiefen oder interplanetaren Raum eine Havarie zu erleiden, was zu der Einrichtung von so genannten High Priority Response and Rescue Units (HPRnR) in der terranischen Vereinigung führte. Diese vom terranischen Militär getragenen Einheiten sind speziell darauf trainiert in kürzester Zeit am Ort des Geschehens zu sein und sofort mit der Rettung von Havarieopfern zu beginnen. Ihre Aufgabe ist schwierig da Havarieopfer ohne ausreichende Schutzmaßnahmen im Vakuum eine Überlebensspanne von wenigen Sekunden aufweisen.
Abhängig vom Ort der Havarie offenbart sich das Vakuum der betroffenen Person als sehr kalt, als sehr heiß oder sehr radioaktiv. Innerhalb der meisten Systeme ist die Chance in einen Hagel von Mikrometeoriten zu geraten sehr gering da die solaren Winde des Mutergestirn das Systems leer fegen und sich der meiste natürliche Abfall der Entstehung des Systems in der Oort Wolke des Systems, ein gutes Lichtjahr von Gestirn entfernt finden lässt.
Im Schatten eines Planeten, eines Mondes oder nur eines großen Raumschiffes ist der niemals angenehme Vakuumtod der grausamen Kälte des Universums zuzuschreiben. Noch bevor die Druckdifferenz zwischen Körper und Vakuum den Körper von innen zerstören könnte gefriert der, zu rund 70% aus Wasser bestehende, menschliche Körper innerhalb von Sekunden zu festem Eis, da er einer Temperatur nahe dem absolutem Nullpunkt von Null Kelvin (−273,15 °C) ausgesetzt wird. Dabei nimmt das empfindliche menschliche Gewebe irreversiblen Schaden durch die entstehenden Eiskristalle welche die Zellstruktur unwiderruflich beschädigen.
Strahlung ist eine weitere permanente Größe im All, die zu einem unschönen und vor allem unverhofft unerwarteten Ende führen kann. Anders als Hitze, Kälte und Druckdifferenz des Vakuums tötet die Strahlung nicht sofort. Genügsam vergiftet sie den menschlichen Körper und alles übrige Leben solange bis der jeweilige Organismus übersättigt ist und die Strahlungsschäden nicht mehr regeneriert werden können. Die Quelle der Strahlung ist für gewöhnlich ein Stern. Zu beachten ist hierbei, je größer die Masse und je höher die Aktivität im Zentrum, desto höher der Strahlungsausstoß, wobei ultra massereiche Objekte wie Neutronensterne die meiste Strahlung emittieren. Strahlung ist selbst auf Raumschiffen eine stets gegebene Gefährdungsgröße da sie mühelos feste Strukturen durchdringen kann sofern ihre Energie hoch genug ist.
In einem gewöhnlichen Sternensystem entsteht die Strahlung in der Strahlungszone des Zentralgestirns (und auch in den Strahlungszonen aller weiteren Sterne wenn das System über mehr als einen Stern verfügt). Die im Kern des Sterns entstehenden Gammaquanten wandern durch die Konvektionszone (man nennt diesen Vorgang diffundieren) um den Stern irgendwann zu verlassen. Dabei kollidieren sie immer wieder mit dem Plasma des Stern und werden absorbiert und reemittiert wobei sie Energie verlieren was eine Vergrößerung ihrer spezifischen Wellenlänge zur Folge hat was dazu führt das aus einem Gammaquant nach und nach ein Röntgenquant und schließlich ein sichtbares Lichtquant wird. Alle diese verschiedenen Stadien werden auch Photonen genannt. Nach dem Verlassen des Sterns und seiner Atmosphäre, der Corona, sind diese Photonen als sichtbares Licht vom Menschen wahrnehmbar. Aber nicht alle Photonen die im Kern entstehen erreichen diesen Punkt. Einige verlassen den Stern früher und erreichen einen menschlichen Beobachter deshalb als harte Röntgenstrahlung. Aber auch Radiostrahlung und große Mengen infraroter Strahlung werden von der Sonne eines Systems erzeugt. Nicht zu vergessen den Sonnenwind der aus von dem Stern fortgeschleudertem Plasma besteht. Der Sonnenwind, der unter anderem für Kometenschweife verantwortlich zeichnet, besteht aus geladenen Teilchen, quasi direkt aus dem Plasma des Sterns, also ionisiertem Gas. Elektronen, Protonen und freie, radikale Heliumkerne. Der Sonnenwind eines Stern bläst das System leer, fegt Staub und andere kleinste Objekte an den äußeren Rand des Systems, die Oort Wolke die eine durchschnittliche Entfernung von einem bis anderthalb Lichtjahren zum Stern aufweist (angenommen ein durchschnittliches bewohntes System umkreist einen zu den Zwergsternen gehörenden gelben Hauptreihen Stern (bestes Beispiel die Sonne Sol die von der Erde umkreist wird)).

Wenn einen Kälte, Hitze oder Strahlung nicht getötet haben und man sich immer noch ungeschützt dem Vakuum ausgesetzt sieht steht man vor dem Problem des fehlenden signifikanten Außendrucks. Lebewesen besitzen für gewöhnlich einen spezifischen inneren Druck den sie gegen die Atmosphäre ihres Habitats errichten (oder gegen das sie umgebende Wasser). Im Vakuum fehlt der äußere Druck und der Innere Druck des Organismus kann sich ungehindert in alle Richtungen ausbreiten, da der Druck einen Ausgleich für die bestehende Differenz zwischen innen und außen zu schaffen sucht. Die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus sind unschön. Während der Zusammenhalt des menschlichen Körpers an sich stark genug ist die menschliche Form aufrecht zu erhalten geben die Zellen des Körpers immer wieder nach, so das unter anderem die Blutgefäße und vor allem die Blutkörperchen durch den Inneren Druck zerstört werden. Das Ergebnis sind unter anderem schwere Innere Blutungen, Hirnödeme und multibles Organversagen. Der Vorgang wird beschleunigt durch die einfache Tatsache das Flüssigkeiten bei fallendem Druck bereits bei niedrigeren Temperaturen als üblich zu sieden beginnen. Bei einer plötzlich stattfindenden Dekompression würde der Inhalt eines Wasserglases oder gar einer ganzen Flasche spontan verdampfen und dabei sein Volumen drastisch vergrößern. Das gleiche passiert mit den Körperflüssigkeiten und dem im menschlichen Körper enthaltenen Wasser.



„Frau Martinez, wie ist unser Status?“
„Alle Stationen melden Startbereitschaft. Alle Systeme sind auf grün und in Wartestellung. Auf Ihr Zeichen hin, Skipper, kanns losgehen“, sagte sie von ihrer Konsole aus.
„Sehr schön. Kommunikation, holen Sie die Startgenehmigung der Dockaufsicht ein. Navigation, beginnen Sie mit den Berechnungen für den Transit.“
Die Stationen bestätigten knapp und Kristien konnte sich für einen weiteren Moment mit anderen Dingen befassen als der bevorstehenden Aufgabe. Sie musste an Rika denken und daran das ihre große Schwester jetzt gerade irgendwo an der Akademie ihren Dienst verrichtete. Sie hatte erst vor kurzem mit ihrer großen Schwester gesprochen nachdem sie vor fast einem halben Jahr wieder Kontakt zu einander aufgebaut hatten. Davor war Rika auf irgendeiner Mission gewesen und hatte deshalb mit niemandem sprechen können. Es war eine ungeheure Erleichterung für Kristien ihre große Schwester endlich wieder in einer gewissen Nähe zu wissen. Wenn sie daran zurückdachte was sie Rika alles zu verdanken hatte dann wurde ihr ganz anders bei dem Gedanken das sie erneut von ihrer großen Schwester getrennt werden könnte. Rika hatte sich allen Widrigkeiten zum Trotz für alle ihre Geschwister eingesetzt, auch nach der Scheidung ihrer Eltern, trotz dem Stress dem sie von ihren Dozenten ausgesetzt worden war, trotz des Unfalls bei dem mehrere ihrer Kommilitonen an der Akademie getötet worden waren, trotz der Trennung von ihrem damaligen Freund, den Kristien eigentlich sehr gemocht hatte. Ohne Rika würde sie heute vielleicht gar nicht hier sitzen, als eine der besten Pilotinnen der Führsorge und ausgezeichnete Steuerfrau.
„Steuer, leiten Sie den Start ein. Separieren Sie uns vom Dock und bringen Sie uns raus, ein Viertel Manöverschub.“
„Separiere uns vom Dock“, gab Kristien den Befehl wieder während ihre langen gelenkigen Finger über die Kontrollen ihrer Konsole huschten und sich durch die einzelnen Steuerroutinen arbeiteten bis alle Verbindungen zum Dock getrennt worden waren.
Stromleitungen, so dick wie zwei große Männer hoch waren, Zuleitungen für Reaktionsmasse für den Reaktorkern, Luft und einfache Dockklammern wurden aus ihren Halterungen gesprengt. In großen Splittern löste sich das Polymere in das die Verbindungen eingegossen wurden um einen optimalen Halt aller Verankerungen zu gewährleisten. Langsam erwachten die für den Manöverschub zuständigen Flugspulen und hoben das Schiff aus seinem Dock während die letzten Zuleitungen sich dem Schiff folgend zu spannen begannen bevor sie aus ihren Verankerungen sprangen.
„Wir sind gestartet Skipper“, vermeldete Kristien nachdem sie das Schiff auf 25% seiner Manöverschubleistung gebracht hatte.
„Gut. Bringen Sie uns zum Treffpunkt. Kommunikation bedanken Sie sich in meinem Namen bei der Dockaufsicht. Navigation, Lichtgruß zum Abschied durchführen.“
Während sich der lange Frachter aus seinem Dock erhob begannen alle Positionslichter des Schiffes gleichzeitig zu leuchten bevor sie sich synchron verdunkelten um dann einmal lang und zweimal kurz aufzuleuchten bevor sie zu ihrem normalen Zyklus zurückkehrten.
„Lichtgruß durchgeführt, Kapitän. Sprungberechnungen zu 20% abgeschlossen“, meldete der Navigator.
„Gut, machen Sie weiter bis wir den Treffpunkt erreichen. Frau Martinez, wie lange noch?“
„Zwanzig Minuten, höchstens, bis wir den Treffpunkt erreichen.“
Weiter und Weiter hob sich der längliche Rumpf vom Dock empor bevor das Schiff sich allmählich drehte um ich auf den Treffpunkt auszurichten.
„Wir sind auf Kurs, Skipper“, berichtete Kristien erneut um sicher zu gehen das ihr Kapitän es auch mitbekommen hatte.
Sie fragte sich noch einmal wie sie das alles ohne Rika geschafft hätte.
Die zwanzig Minuten vergingen wie im Flug bevor sie das Schiff zum relativen Stillstand nahe dem Verband von Militärschiffen brachte welche ihre Vorhut und ihren Geleitschutz bildeten.
„Kommunikation, melde Sie uns bei unserem Geleitschutz an. Navigation, Status?“
„Die Berechnung ist so gut wie abgeschlossen, noch rund drei Minuten.“
„Sind zum relativen Stillstand an der verabredeten Position gekommen, Skipper.“
„Sehr schön, Frau Martinez.“
„Wir sind angemeldet, die Armantio hat uns gebeten unsere Position zu halten bis wir weitere Anweisungen erhalten haben.“
„Naja, so ohne weiteres will ich garantiert nicht als erster in Avery ankommen, auch wenn unsere Aufgabe dort sehr wichtig ist. Immerhin sind die Erdköppe da.“
„Kapitän Daros von der Armantio richtet sich an alle Schiffe, soll ich es auf das Schiffsinterne Interlink legen oder nur auf die Brücke?“, fragte die junge Studentin die an die Kommunikationskonsole gesetzt worden war. Die Praktika für Schüler und Studenten fand Kristien zwar sehr wichtig, aber auf der Brücke hatten die eigentlich nichts zu suchen, auch wenn sich die kleine Blonde sehr ordentlich anstellte. Zumindest meistens.
„Legen Sies auf die internen Systeme, so das es jeder hören kann.“
„Mache ich sofort.“

„Nun wo alle Schiffe anwesend sind möchte ich noch ein paar Worte sagen“, hörte man kurz darauf die feste und bestimmende Stimme von Kapitän Daros von der Armantio in der Übertragung sagen die eindeutig schon begonnen hatte als sie dazu geschaltet wurden.
„Wir sind im Begriff eine sehr wichtige Aufgabe auszuführen, eine welche Orion wie wir es kennen vielleicht stark verändern könnte. Daher ist eine ordentliche Vorgehensweise angebracht. Die Vorhut wird deshalb fünf Minuten vor den zivilen Schiffen nach Avery aufbrechen um im Ernstfall eine defensive Position zu errichten. Exakt fünf Minuten nachdem wir gesprungen sind werden die zivilen Frachtschiffe uns folgen. In Avery angekommen halten Sie sich genauestens an unsere Anweisungen.“
Daros sprach schnell, er wirkte aber nicht gehetzt, mehr so als würde er eine lästige Pflicht erfüllen in dem er eine Liste herunterbetete die er von irgendwo ablas.
„Ich bin des weiteren darüber informiert worden das in ungefähr zwei Stunden Verstärkungen aus den Grenznahen Garnisonen nach Avery aufbrechen wird. Nach meinem bisherigen Kenntnisstand wird diese Verstärkung Avery ungefähr zehn Minuten nach uns erreichen um uns im Ernstfall den Rück frei zu schießen. Wir erwarten einen gewissen Widerstand seitens der terranischen Besatzer des Systems, nichts desto trotz gehe ich aber davon aus das die Terraner sich beugen und vernünftig sein werden. Es wäre zwar nicht das erste Mal das ich mich in diesem Zusammenhang Irre, aber es soll ja noch Zeichen und Wunder geben, ich bin deshalb verhalten optimistisch das unsere Mission erfolgreich und vor allem ruhig ablaufen wird.“
Er machte eine kurze Pause und Kristien nutzte die wenigen Sekunden um zu überlegen was passierte wenn der erwähnte schlimmste Fall eintrat. Keiner ihrer Gedanken verhieß ihnen ein gutes Schicksal und sie musste sie schnell verdrängen um sich selbst nicht negativ zu beeinflussen.
„Für den Fall der Fälle werden wir Schilddrohnen starten. Diese werden die Frachtschiffe einhüllen und so durch das gröbste feindliche Feuer bringen können ohne das Ihnen oder Ihren Schiffen etwas passiert, falls es soweit kommt wird man Ihnen das allerdings noch einmal extra mitteilen. Egal was uns auf der anderen Seite des Transits erwartet, bewahren Sie ruhe und folgen Sie unseren Anweisungen sorgsam.“
Wieder eine kurze Pause in der Daros zu überlegen schien was er noch sagen wollte.
„Wie Sie merken bin ich kein Mann großer Worte. Diese kleine ‚Ansprache’ habe ich mir zusammengeschrieben in der Hoffnung ich würde irgendetwas dazu improvisieren können, aber ich vermute ich langweile Sie ohnehin nur alle. Wir werden nun einfach aufbrechen, dann muss ich nicht länger Reden halten und wir können alle mit unserer Arbeit fortfahren“, fügte er hinzu und versuchte sich an einem Lachen das in Kristiens Ohren recht gekünstelt klang.

Sie überlegte ob das alles Absicht und Show war, Rika hatte ihr einmal erzählt das in der Flotte nichts unabsichtlich getan wurde, das alles einen versteckten Sinn und Hintergrund hatte. Vielleicht sollte Daros durch diesen Auftritt in den Augen der Zivilisten als menschlicher erscheinen, ein Mann der führen konnte, aber nicht unfehlbar war. Dieser Eindruck war bei ihr zumindest entstanden und das war garantiert nichts negatives.
„Martinez, machen Sie uns für den Sprung bereit, beginnen Sie mit der fünf Minuten Verzögerung sobald das letzte ARF Schiff gesprungen ist.“
„Natürlich, Skipper.“
„Navigation, ich hatte eine Reisedauer von drei Stunden errechnet, stimmt das ungefähr?“
„Ja, Kapitän, wir sind relativ exakt drei Stunden unterwegs“, antwortete der Navigator.
Der Nachrichtenreporter betrat die Brücke und sah sich aufmerksam um bevor er sich mit ein paar Fragen an den Kapitän wandte. Kristien hatte nichts persönliches gegen den Mann, sie mochte es nur nicht wenn jemand auf der Brücke herumschlich und jede ihrer Bewegungen aufzeichnete. Sie fühlte sich dann so beobachtet.
„Es ist alles vorbereitet, Skipper, ich habe die Sprungdaten eingegeben und bringe uns jetzt in optimale Sprungkonfiguration.“
„Natürlich Frau Martinez, machen Sie das.“
„Kapitän, wir erhalten die Bestätigung das die Vorhut demnächst springt.“
„Na das ist doch schon mal was. Halten Sie sich Bereit, Martinez, ich will möglichst pünktlich hier weg kommen um möglichst pünktlich am Ziel zu sein.“
„Natürlich Skipper“, erwiderte Kristien und begann mit den Vorbereitungen für den Transit.
Das leise Summen der aus dem Rumpf fahrenden Hyperraumausleger erfüllte das ganze Schiff. Die unabdingbar notwendigen Konstruktionen hielten die Felder und Kräfte im Gleichgewicht und unter Kontrolle die bei dem Transit durch den Hyperraum auftraten oder zum Transit beitrugen. Ohne war es kaum möglich länger als ein paar Sekunden in den Hyperraum einzutauchen, was einen effizienten Transit unmöglich machte.
„Herr Kapitän Alexander, wollen Sie vor dem Sprung noch etwas für unsere Zuschauer sagen, bevor wir die nächsten drei Stunden nicht mehr erreichbar sein werden?“
„Nein, lieber nicht. Wie Kapitän Daros von der Armantio es so schön formuliert hat: ‚Ich bin kein Mann großer Worte.’ Und dabei wird es wohl auch bleiben.“
„Trotzdem würde ich Ihnen gerne noch eine letzte Frage stellen, bevor wir springen, geht das für Sie in Ordnung?“, fragte der Journalist.
„Ja, sicher doch“, antwortete Alexander
„Jetzt, wo wir dabei sind in die Geschichte einzugehen als die Leute die dabei geholfen haben Avery zu befreien, haben Sie da Angst das die Terraner nicht abziehen könnten, das wir direkt in eine interstellare Krise hinein springen und eventuell niemand von uns jemals wieder lebend nach hause zurückkehrt?“
„Ich denke, ich habe Angst, aber man gewöhnt sich daran damit umzugehen und irgendwann ist man dann durch Routine und Ruhe soweit abgestumpft das auch die größte Angst einen nicht mehr wirklich davon abbringt sich bei einem Sprung zu langweilen.“
„Danke, für diese ehrliche Antwort, Kapitän.“
Alexander winkte nur ab und wartete dann auf das Verrinnen der Zeit.

„Martinez“, sagte er dann, nachdem die fünf Minuten abgelaufen waren, „Führen Sie den Transit nach Avery durch.“
„Aye Aye, Skipper“, antwortete Kristien ihm und gab die letzten Befehle in ihre Konsole ein.
Der Sprungantrieb erwachte summend zum Leben und erfüllte das Schiff mit einer sanften Vibration. Dann öffnete sich der Durchgang, direkt vor dem Schiff und Kristien konnte die ungeheuren Kräfte fühlen, die Gezeitenkräfte die an ihr zerrten und sie zu einem winzigen Punkt zusammenpressen wollten. Gleichzeitig stellte sich für sie das Gefühl ein das alle Wände weiter auseinander rückten und es dunkler wurde um sie herum, solange bis sie das Gefühl hatte unendlich schwer geworden zu sein. Für einen kurzen Moment blieb sie dann so in der „Schwebe“, zerrissen zwischen dem Gefühl gewaltig schwer zu und nach allen Seiten hin auseinander gezogen zu werden, bevor sich das ganze Gefühl wieder umkehrte und schlagartig Normalität einkehrte. Das Ausgangssystem war von den Schirmen verschwunden, stattdessen war das schmutzig rostrote Leuchten Averys an die Stelle des vorher noch nachtschwarzen Sternenpanoramas getreten, eingehüllt in die Staubhülle der protoplanetaren Scheibe die den roten Zwerg umgab. Eine Blockadeformation der Terraner harrte in einiger Entfernung und im Interlink war die hitzige Debatte zwischen Daros und dem terranischen Kommandanten mit anzuhören.
„Kommunikation, melden Sie uns bei der Armantio an und fragen Sie nach was wir tun sollen, jetzt wo sich der schlechtere der beiden möglichen Fälle abzuzeichnen scheint.“
„Natürlich, Kapitän“, flüsterte die junge Blondine.
Kristien sah missmutig nach draußen. Da bahnte sich Unheil an, terranische Blockadeformationen lösten sich nicht eben spontan auf, das hatten sie noch nie getan, dafür errichteten sie diese Formationen auch nicht ganz so häufig.
„Skipper, wenn die das Feuer eröffnen dann haben wir hier kaum Chancen, wir müssen eine andere Position einnehmen“, sagte sie dann, ohne sich zu Ihrem Kapitän umzudrehen.
„Ich weiß, aber wir haben Anweisung von Daros uns ruhig zu verhalten und den Anweisungen zu folgen.“
„Kapitän, die Armantio weist uns an Vorschub zu geben und unser erstes Ziel anzusteuern. Sie schicken uns Schilddrohnen um uns zu schützen, falls die Terraner das Feuer eröffnen sollten.“
„Da haben Sies gehört, Martinez. Voller Schub, wir werden die Terraner umfliegen und Avery seine wohlverdienten Versorgungsgüter zukommen lassen.“
„Wie Sie meinen Skipper“, erwiderte Kristien skeptisch und beschleunigte anhand des Vektors den der Navigator für sie berechnet hatte.
Der Reporter war unterdessen fleißig am berichten, immerhin sendete er live und das nächste Interlinkknotenmodul befand sich nur ein paar Parsecs entfernt, das hieß die Verzögerung bis seine Aufzeichnung in der Allianz ankam war gering, vielleicht fünf Minuten bis zur Grenze und den dahinter liegenden Systemen.
„Kapitän, ich erhalte gerade die Nachricht das das Parlament soeben Averys Unabhängigkeit anerkannt hat.“
„Na endlich, murmelte Alexander, „Dann haben wir ja nichts mehr zu befürchten. Die Terraner werden kaum einen offenen Krieg eines einigen Systems wegen riskieren.“
„Nein, so dumm können die einfach nicht sein“, pflichtete Kristien ihm bei und atmete etwas erleichtert auf.
Sie hatten internationales Recht auf ihrer Seite, die Verträge von Al-Shad kamen auch noch dazu, die Terraner hatten gar nichts in der Hand, sie würden Ihnen wirklich nichts anhaben können.

Umso überraschter waren alle Anwesenden deshalb als die terranischen Schiffe völlig unerwartet doch das Feuer eröffneten das nur im letzten Moment von den Schilden der Schilddrohnen aufgefangen werden konnte. Langsam begannen die Drohnen ihre Positionen zu verändern während die Frachtschiffe ihren Anweisungen folgend stur ihren Kurs hielten.
„Ob das so eine gute Idee ist, da direkt durch fliegen zu wollen?“, fragte die junge Studentin an der Kommunikationskonsole.
„Es ist eine Idee, vielleicht nicht die Beste, aber das einzige was jetzt wirklich besser wäre, wäre umkehren und zurückspringen. Und dann würden die Terraner nicht nur denken das sie alles anstellen können wenn sie nur mal ein bisschen böse sind, sondern wir würden Avery auch Schutzlos diesen Leuten überlassen, die sich einen Dreck um en Waffenstillstandsvertrag scheren, wies aussieht“, erwiderte Kristien ruhig.
Sie behielt ihre Hände immer direkt auf der Steuerkonsole um das Schiff ständig unter voller Kontrolle zu behalten, für den Fall das sie doch einmal ausweichen müssen würde.
„Die Armantio bestätigt uns das die Drohnen einen Schirm um alle Frachter legen werden, sie sagen wir sollen Kurs und Geschwi8ndigkeit beibehalten.“
„Irgendwelche Reaktionen seitens der Terraner?“
„Nein, zumindest keine verbale Kommunikation.“
„Die versuchen kaum auf uns zu schießen“, bemerkte der Beobachtungsoffizier an der Sensorstation.
„Die Verträge von Al-Shad“, murmelte Kristien hoffnungsvoll, „Wenn sie auf uns schießen dann machen sie sich strafbar, selbst wenn uns nichts passiert und dann haben sie uns gleich zwei Kriegsgründe auf dem Silbertablett serviert.“
„Und ihre eigenen Todesurteile unterschrieben“, fügte Alexander bitter hinzu.

Der Journalist huschte fast schon begeistert von einer Station zur nächsten und warf immer wieder lange Blicke auf die Schirme und Bilder welche die Außenwelt rund um das Frachtschiff zeigten.
„Das sind super Aufnahmen“, murmelte er immer wieder, „und das ist alles live, alles unchoreographiert, das ist fantastisch, eine richtige Raumschlacht und wir sind mitten drin.“
„Ich finde das weiniger aufregend“, sagte Kristien leicht säuerlich, „Ich habe schn genug Geschichten von Gefechten gehört, im Raum zu sterben ist eine beschissene Art aus dem Leben zu scheiden. Hoffen wir nur wir bleiben lange genug unbehelligt um uns weit genug entfernen zu können“, fügte sie murmelnd hinzu.
„Sicher doch“, erwiderte der Reporter hastig, „sicher ist es schlimm im Raum zu sterben, aber wir haben die Raumflotte auf unserer Seite und noch dazu diese Schilde, uns kann gar nichts passieren“, beeilte er sich fest zu stellen bevor er seine Aufmerksamkeit auf die von der Armantio startenden Drohnenschwärme richtete die sofort in Richtung des großen terranischen Trägers aufbrachen.

Um sie herum füllte sich das All mit umher peitschenden Garben aus Geschützphalangen, und Torpedosalven die alle nur das Ziel hatten die jeweils andere Seite zu zerreißen, nach Möglichkeit so wenige wie möglich am Leben zu lassen. Auch wenn sie relativ sicher waren, so fühlte sich Kristien doch von Sekunde zu Sekunde schlechter, gerade weil es ihnen hier so relativ gut ging, während gerade die zweite europäische Fregatte in einer großen Salve Torpedos des terranischen Trägers verschwunden war um kurz darauf als schwer havariertes Wrack wieder aus der glühenden Wolke aufzutauchen. Sie fühlte sich auch jedes Mal wenn ihre eigenen Leute einen Treffer landeten schlecht. Vor allem als die Drohnen den Beschuss des Trägers aufnahmen und dessen Hülle mit hell strahlenden Blumen aus Hitze und Strahlung eindeckten. Sie hatte nicht viel Ahnung von Waffentechnologie, Rika hatte zwar ein bisschen erzählt, aber gereicht hatte es bei weitem nicht, zumal sie auch nie wirklich interessiert an Dingen gewesen war die dazu gedacht waren zu zerstören und zu töten. Rika war da eine gewisse Ausnahme. Sie hatte sich schon früh für Technologie interessiert, für Raumschiffe und für Waffen. In der Gesellschaft in die sie und ihre Geschwister hineingeboren worden waren nicht zwingend üblich.
Jetzt veränderte sich etwas. Mehrere gewaltige strahlende Explosionen erschütterten die, von Kristiens Seite aus gesehen, Rückseite des terranischen Trägers und überstrahlten dessen Konturen an einigen Stellen sogar. Sie hatte keine Ahnung was da genau passiert war, aber Alexander klärte sie und den Rest der Brückenbesatzung recht schnell darüber auf.

„Das war ein Drohnengeschwader. Es ist direkt mit dem Schiff kollidiert und hat dabei seine gesamte Antimaterie gezündet die es sonst für den Antrieb verbraucht hätte. Keine angenehme Art angegriffen zu werden, aber die sind ja auch zahlenmäßig überlegen, ich denke da geht das schon in Ordnung“, murmelte er nachdenklich.
„Das ist genial, das ist so genial! Besser hätte sich das keiner ausdenken können“, ereiferte sich der Reporter in heller Verzückung.
Kristien drehte sich zu Alexander um und sie konnte ihm ansehen das auch er sich nicht sondern nicht von der Begeisterung des Reporters angetan fühlte.
„Sie sollten sich lieber nicht zu früh freuen“, sagte Alexander mit fester Stimme, „Das kann sich alles noch ändern. Martinez, wie lange sind wir jetzt hier?“
„Insgesamt fünf Minuten etwa. Plus Minus ein bisschen“, antwortete sie.
„Dann müsste jetzt bald Verstärkung eintreffen, ich hoffe das erleben wir noch.“
Sie erlebten das Eintreffen von Verstärkung tatsächlich, doch leider waren es terranische Schiffe die da aus dem Sprung kamen. Und eines von ihnen war ebenfalls ein großes Trägerschiff.
„Skipper, sollen wir nicht doch unsere Kurs ändern?“
„Ich vertraue darauf das Daros weiß was er tut“, erwiderte Alexander.
„Ja, aber vielleicht ist er zu sehr damit beschäftigt nicht selbst getötet zu werden“, warf die blonde Studentin ein und Kristien pflichtete ihr heftig nickend bei.
„Gut, dann fragen Sie bei der Armantio nach was wir machen sollen“, seufzte Alexander als sich auf den Sensoren bereits die nächste Wendung ankündigte.
„Kapitän, ankommende Sprungsignaturen! Es sind unsere“, fügte der Beobachtungsoffizier kurz darauf erleichtert hinzu.
„Das müssen dann die vor einer knappen Stunde gestarteten Verstärkungskräfte sein für den Fall das die Terraner sich unvernünftig verhalten. Martinez, Kurs halten. Kommunikation, erkundigen Sie sich bei der Armantio nach eventuell geänderten Vorgehensweisen. Ansonsten, ruhig verhalten und Daumen drücken.“

Der Reporter, der sich vorher irgendwo im Schiff herumgetrieben hatte, wirkte aufgekratzt und überschäumend euphorisch. Kristien war bei einigen Sendern aufgefallen das sich Reporter immer gern so verhielten, aber erst jetzt, wo sie einen von ihnen in natura erlebte, merkte sie das es sich dabei nicht um eine feste Absicht handelte, sondern eine Charaktereigenschaft sein musste. Vielleicht stand der Kerl aber auch einfach nur unter dem Einfluss eines Pushers. Was auch immer davon letzten Endes zutraf, er war jedenfalls hoch auf erfreut zu hören das Verstärkung kam die bereits vor einer Stunde für den schlimmsten Fall gestartet worden war. Er hatte sich einen Schirm ausgesucht um einen guten Blick auf die eingetroffenen Schiffe zu bekommen. Während er sich noch wie ein kleines Kind über das Eintreffen der Verstärkung freute bemerkte der Beobachtungsoffizier etwas das ihm das Blut in den Adern gefrieren lies.
„Kapitän, der neu eingetroffene terranische Träger verändert seine Position, sein Bug zeigt in unsere Richtung!“
„Geht er auf Kollisionskurs?“
„Nein, keine Beschleunigung feststellbar bis jetzt. Irgendetwas tut sich aber gerade dort. Sie scheinen Bugtore für ihre Kampfflieger zu öffnen um… Das sind Waffensysteme“, flüsterte er dann auf einmal.
Er hatte sich zu Alexander umgedreht, sämtliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen.
„Waffensysteme? Was für Waffensysteme, die wollen doch nicht etwa auf uns schießen?“
„Wenn ich das hier richtig gesehen habe, dann sind das Linearbeschleuniger und Startrampen für Torpedos, Kapitän. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sie uns als Ziele aufgeschaltet haben“, fügte er noch leiser hinzu.“
Der Reporter hatte bemerkte gar nicht was hinter seinem Rücken auf der Brücke offen und laut besprochen wurde. Alexander zeigte einen Ausdruck von Unwillen, er konnte sich einfach nicht vorstellen das ein gerade erst eingetroffenes terranisches Trägerschiff einfach so als erste Handlung auf Zivilisten feuerte.
„Kommunikation, melden Sie sich bei der Armantio, fragen Sie an was die davon halten. Und Sie Herr Prüf, setzen sich wieder ordentlich an Ihre Konsole, die schießen nicht auf uns, das währe viel zu lächerlich. Damit würden sie sich ja ihr eigenes Grab schaufeln.“
Alexander schüttelte den Kopf und schnaubte verächtlich, doch der Schaden war angerichtet, niemand auf der Brücke fühlte sich mehr wirklich wohl hier. Kristien warf einen Blick zum Navigator, versuchte zu erkennen ob er das gleiche dachte wie sei, ein kurzer Kurswechsel, ein schneller Schwenk, irgendetwas, raus aus der möglichen Schusslinie dieses terranischen Ungetüms das da drohend über ihnen hing.
„Kapitän“, rief der Beobachtungsoffizier Prüf dann plötzlich aus, „Sie bereiten sich vor das Feuer zu eröffnen! Sie starten Torpedos!“
„Was? Martinez, Ausweichmanöver beginnen, sofort! Schubkraft auf voll, bringen Sie uns hier raus!“

Hinter Kristiens Rücken versuchte sich die Studentin an der Kommunikationskonsole Gehör zu verschaffen. Panik flutete wie eine fühlbare physikalische Gegebenheit in die Brücke. Der Reporter wandte seinen Blick zum Hauptmonitor nur um die dort befindlichen feuerbereiten Geschütze des terranischen Trägerschiffes zu erblicken. Kristien prügelte alle Maschinen ans Limit, sie konnte spüren wie die Beschleunigung zunahm, spürte die anschwellenden Vibrationen die das ganze Schiff zum schwingen brachten. Sie hörte das von dem Journalisten geflüsterte „Beim Willen des Universums“ und spürte wie der Druck in ihrem Hinterkopf immer größer wurde. Du musst es schaffen, du musst es schaffen, du musst es schaffen. Du musst es schaffen oder ihr seid alle tot!
„Nein!“, kreischte der Journalist neben ihr plötzlich.
Sein panischer Aufruf fesselte ihre Aufmerksamkeit schlagartig. Ruckartig sah sie hoch zu ihm.

„Was?“, fragte sie noch bevor aus dem Augenwinkel das Leuchten der feuerbereiten Linearbeschleuniger wahrnahm und ihren Blick zum Hauptmonitor richtete.
Gerade noch rechtzeitig fixierte sich ihr Blick auf das Bild um zu erkennen wie die Geschütze abgefeuert wurden. Noch im gefühlten selben Augenblick wurde sie von ihrem Platz geschleudert ohne genau zu wissen was eigentlich passierte. Ein gewaltiger Knall fegte sämtliche Ordnung hinfort, verwandelte alles in pures Chaos. Ein Klingeln war an die Stelle aller Geräusche getreten, abgesehen von ihrem eigenen Atem und dem rasenden Hämmern ihres Herzens. Der Aufprall nahe dem Hauptschirm trieb ihr die Luft aus der Lunge und Tränen in ihre Augen und noch immer war nicht genug Zeit vergangen um zu begreifen was um sie herum geschah, während ihr Körper bereits damit begann zu kämpfen. Sie hatte irgendetwas zu fassen bekommen und hielt sich daran fest als sie spürte das eine gewaltige Kraft an ihr zu zerren begann. In das Klingeln mischten sich andere Töne, ein dumpfes Grollen irgendwo in der Ferne etwas das wie ein Kreischen Klang. Dann war es auf einmal totenstill um sie herum, abgesehen von dem Hämmern in ihrer Brust und einem Rauschen in ihrem Kopf. Die Schotts zur Brücke waren geschlossen gewesen, doch als sie den Treffer kassiert hatten hatte sich die ganze Struktur des Schiffes verändert wie sie jetzt gerade bemerkte. Die Rückwand der Brücke war verformt, Träger die Teil des Schiffskeletts waren ragten in die Brücke hinein aus den Zwischenwänden, einige waren sogar durch die Brücke geflogen. Die Ruhe die sich plötzlich bei ihr eingestellt hatte ermöglichte ihr für eine gefühlte Ewigkeit die Lage auf der Brücke einzuschätzen. Das Mädchen an der Kommunikationsstation war weg, nahe ihrer Station klaffte ein Riss in der Rückwand, an dem scharf ausgefransten Rand hing etwas das eine makabere Ähnlichkeit mit einem Unterarm und einer Hand hatte. Auch Alexander und die meisten anderen waren verschwunden, der Beobachtungsoffizier war von einem zersplitterten Träger der Skelettstruktur des Schiffes an seine Station genagelt worden und der Kopf des Reporters war frontal in die Schiffswand gerammt worden. Erst jetzt bemerkte sie die Taubheit ihres eigenen Körpers. Ihr Blick hatte begonnen sich zu trüben.
Der Letzte Gedanke der durch ihr Hirn jagte galt der Verwunderung darüber das sie seit dem Aufprall an die Wand nicht mehr geatmet hatte.



„Meine Damen und Herren, sehr geehrte Passagiere, hier spricht ihr Kapitän. Soeben hat das Schiff, das sich vor uns im Anflug auf den Hafen befand, seine Annäherung abgebrochen. Die Raumflugüberwachung hat uns mitgeteilt das der Kapitän entschieden hat ein anderes Ziel anzufliegen. Aus Gründen der Sicherheit befinden wir uns in Verhandlungen mit der Raumflugüberwachung unsere Annäherung abzubrechen und eine weitere Rotation durchzuführen. Wir halten Sie über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden.“
„Ach Mist, nochmal einen Tag an Bord des Schiffes, ich hatte mich schon darauf gefreut endlich von Bord gehen zu können“, sagte Siegfried und lies die Schultern hängen.
„Das ist doch nicht so schlimm, wir haben es doch ganz gemütlich hier“, meinte seine Frau Sasha und lächelte ihn liebevoll an.
„Natürlich haben wir das, aber unser Urlaub wird nicht länger. Und ich habe mich schon das ganze Jahr auf das Hotel gefreut.“
„Was ist denn schon ein Tag im Vergleich zu einem ganzen Jahr, Vater“, sagte sein Sohn Jemm und versuchte dabei gespielt altklug zu klingen.
„Sei du bloß still“, erwiderte Siegfried lachend.
Sie saßen zusammen auf dem großen Deck des Kreuzfahrtschiffes und genossen ein wenig die Annehmlichkeiten die ihnen dargeboten wurden. Auch wenn die Vorfreude auf die Ankunft an dem herrlichen Hafen Cassilla Rodoa einen Dämpfer erhalten hatte, so sagte sich ein jeder von ihnen, würden sie doch spätestens am nächsten Tag um diese Zeit von Bord gehen und ihren Urlaub beginnen können, in einem der besten Hotels die man über Cassilla finden konnte. Der Urlaub war seit einem Jahr gebucht und sie hatten sich zu dritt schon sehr darauf gefreut. Einen Platz in dem Hotel zu bekommen war schwierig gewesen, weil es meist über Jahre hinweg ausgebucht war, aber durch einen glücklichen Zufall hatte jemand seine Reservierung wieder aufgehoben und sie waren von der Warteliste nachgerückt. Ein kleiner Pavillon in einer der großen Biosphärenkuppeln des Hotels das als eigenständige Raumstation in der Nähe des Hafens eingerichtet worden war. Das Hotel gehörte zu den wenigen Hotels welche die Genehmigung erhalten hatten die Biosphäre Cassillas nachzuempfinden, daher war es ein so sehr begehrter Urlaubsort, die unberührte Natur einer Paradieswelt genießen zu dürfen war nicht jedem vergönnt.
„Ich finde es nur schade das deine Tochter nicht von ihren Pflichten entbunden worden ist um ein paar Tage mit ihrer Familie zu verbringen“, sagte Sasha bei dem Gedanken an die bevorstehenden Wochen.
„Ich habe dir doch schon gesagt das ich nichts machen konnte. Ich kann den Dekan der Akademie ja kaum dazu zwingen sie zu Beginn der Praktika frei zu stellen“, erwiderte Siegfried.
„Mir gefällt einfach die Vorstellung nicht das es uns mit Hadda so gehen soll wie es dir und deiner Familie mit Haagen ergangen ist.“
„Es ist ihre freie Entscheidung gewesen. Soviel Selbstständigkeit müssen wir ihr anerkennen.“
„Sie ist doch noch ein Kind! Ich meine wenn sie schon 35 wäre, dann könnte ich es ja verstehen, aber sie ist doch erst 23. Noch nicht einmal erwachsen! Und sie hat sich bereits entschieden sich für die nächsten zwanzig Jahre der Flotte zu verpflichten?“, fragte Sasha, mit flehendem Tonfall und einer sehr eindringlichen Betonung auf dem Wort entschieden, ihren Mann.
„Sie hat sich noch zu gar nichts verpflichtet, Hase. Ich dachte wir hätten das geklärt als sie in die Akademie aufgenommen wurde. Sie erhält ihre Ausbildung und absolviert anschließend einen Grunddienst bis sie volljährig ist, erst dann darf sie sich entscheiden sich für eine voll Dienstperiode mustern zu lassen“, erklärte Siegfried mit liebevoller Geduld.

Sasha gab sich damit zufrieden, auch wenn er wusste das sie in ein paar Wochen wieder davon anfangen würde. Sie war eine wundervolle Frau und eine gute Mutter. Sie konnte es nicht ertragen das ihre Tochter solange von ihr getrennt war, vor allem nicht wo Siegfried ihr erzählt hatte was er mit seinem Bruder alles durchgemacht hatte der genau wie seine Tochter jetzt der Raumflotte beigetreten war nachdem er seinen Schulabschluss in der Tasche gehabt hatte.
„Wo wir grad dabei sind, wann kommt Onkel Haagen eigentlich wieder von seiner Mission zurück? Er ist doch jetzt fast ein halbes Jahr unterwegs, richtig?“, fragte Jemm um das Thema ein bisschen in eine andere Richtung zu lenken.
„Ich wollte damit eigentlich warten bis wir im Hotel sind, aber da es so aussieht als würde das noch seine Zeit dauern und wir ohnehin schon dabei sind. Ich habe vorhin mit ihm gesprochen, seine Mission neigt sich einem absehbaren Ende entgegen. Er konnte war noch nichts genaues sagen aber er vermutet in ein zwei Wochen könnte er vielleicht schon fertig sein und einen kurzen Aufenthalt in einem Dock absolvieren.“
„Hey, klasse, ich hab ihn ewig nicht mehr gesehen“, freute sich Jemm.
„Ja, geht mir genauso. Wer weiß, vielleicht kann ich ihn ja dazu überreden ein paar Tage Urlaub zu beantragen.“

„Die Raumflotte hat zwei Fregatten entsandt, sie haben die Kontrolle übernommen, wir sind raus“, teilte der Vorsteher den drei Operatoren mit die sich mit der Rising Star befasst hatten.
„Das gibts doch nicht, wir hatten sie fast soweit das sie sich freiwillig stellen!“, polterte einer von ihnen.
„Vorschrift ist Vorschrift. Die sind aus der Reihe getanzt und haben sich verdächtig gemacht. Wir haben keinen Kontakt zu unserem Lotsen an Bord und die verstricken sich in merkwürdige Widersprüche. Macht Euch wieder an die Arbeit. Das gilt für alle drei“, wies er sie an.
„Aber Vorsteher…“
„Kein Aber, ich kann nichts machen, ich bin verantwortlich dafür das der Raum über Cassilla ruhig und friedlich bleibt. Geht an Eure Arbeit zurück.“
„Natürlich, Vorsteher“, antwortete der Operator gezwungen unterwürfig.
Er hatte sich kaum wieder seiner Arbeit gewidmet als eine neue Ankunft ihn aufmerken lies.
„Neue Ankunft“, meldete er Vorschriften gemäß.
Was er sah irritierte ihn, es sah so aus wie eine terranische Wurmlochsignatur, doch es fand kein Kontakt zwischen dem Ereignishorizont und dem Normalraum auf, der Terminus öffnete sich nicht.
„Terranische Wurmlochsignatur, kein Terminus.“
Der Vorsteher kam zurück und beugte sich über die Station.
„Kein Terminus?“
„Der Horizont baut sich weiter und weiter auf, aber es kommt nicht zum Kontakt. Radius beträgt jetzt fünfhundert Meter und steigend.“
„Wo liegt das Zentrum?“
„Innerhalb der stabilen Trabantzone, außerhalb der Magnetosphäre. Alles im grünen Bereich, es ist nur viel zu groß. Vor allem es wächst immer schneller, inzwischen ist es bei 3000 Metern Radius.“
„Da stimmt irgendetwas nicht. Ich brauche die Kennwerte der größten bekannten terranischen Wurmlöcher, schnell, ich muss wissen was da durch kommt!“, wies der Vorsteher die übrigen Operatoren um sich herum an.
„Radius jetzt bei zehntausend Metern, noch immer kein Kontakt!“
„Verschiedene Raumstationen und Schiffe haben sich bei uns gemeldet, das Ereignis ist sichtbar!“
„Sensoren, wie sieht der Energieausstoß des Ereignisses aus!“
„25000 Meter Radius!“
„Das Ereignis liegt im normalen bereich, keine Singularitätenbildung zu erwarten. Es handelt sich um ein gewöhnliches Wurmloch, abgesehen von den schier ungewöhnlichen Ausmaßen.“
„Was braucht so ein großes Wurmloch?“
„Können Sie die Herkunft ermitteln?“
„Negativ, ohne Terminus ist das praktisch unmöglich.“
„Radius beträgt jetzt 500000 Meter!“
„Eintausend Kilometer Durchmesser und es wächst immer noch an?“
„Ja, Vorsteher, aber die Rate des Wachstums verringert sich wieder. 700000 Meter Radius.“
„Könnten das mehrere Schiffe zur gleichen Zeit sein?“
„Sie meinen eine Art Tor das ganze Schiffsgruppen auf einmal verlegen kann?“
„Nicht Gruppen“, flüsterte der Vorsteher während sich seine Ahnung mehr und mehr verhärtete, „Flotten.“
„Radius beträgt jetzt eine Million und Vierhunderttausend Meter! Wachstum kommt zum Stillstand, Ereignishorizont aufgebaut, Kontakt in fünf, vier, drei, zwei, eins… Terminus öffnet sich!“

Für einen Moment waren alle Beteiligten ruhig. Die Aufmerksamkeit lag auf den Hologrammen und Bildern die das Ereignis von allen Seiten zeigten. Das Ereignis hatte sich als schwarze Zone dargestellt, dessen kugelförmiges Volumen einen Enddurchmesser von 2800 Kilometern gehabt hatte. Als sich der Terminus öffnete löste sich die Schwärze nach und nach auf und gab den Blick frei auf etwas das in reines strahlendes weiß gehüllt zu sein schien. Nach wenigen Augenblicken war das gewaltige Objekt in den Realraum zurückgekehrt und schnell wurde deutlich, das war kein Raumschiff im eigentlichen Sinne.
„Ist das ein Mond?“, fragte jemand ungläubig.

„Hier spricht EFSN Jump Moon Nummer 1, Bezeichnung „China Moon“, für jeden der diese Mitteilung hört. Die Regierung der Terranischen Vereinigung hat die totale Vergeltung für den Feigen Angriff europäischer Truppen auf das von Terroristen geschwächte Avery befohlen. Wenn Sie nicht im Anschluss an diese Mitteilung ihre absolute und bedingungslose Kapitulation erklären werden Sie vernichtet. Dieses System ist fortan terranischer Raum und alle Europäer die sich darin aufhalten sind Feinde der freien Bürger der terranischen Vereinigung. Sie haben zehn Sekunden“, fügte die kalt und barsch klingende Stimme in schroffem Basic hinzu.
Ungläubig starrten der Vorsteher und seine Operatoren auf die Bilder die sie sahen. Aus unzähligen Öffnungen überall in der schneeweißen Oberfläche des mondgroßen Objektes strömten Raumschiffe die unverkennbar terranischen Ursprungs waren.
„Roter Alarm für das ganze System, allen Schiffen Fluchtvektoren zuweisen, benachrichtigen Sie die Flotte, Europa wird angegriffen“, stotterte der Vorsteher flüsternd.
Hektisches treiben brach los als die Operatoren versuchten in den verbleibenden Sekunden die im System anwesenden Schiffe dazu zu bringen in benachbarte Systeme oder nur in die Oort Wolke zu springen.
„Vorsteher, ich habe hier dutzende Schiffe die ihre Kapitulation erklärt haben, was sollen wir mit denen machen?“
„Erklären Sie denen das das eine Falle ist, die sollen flüchten solange sie es noch können!“
Noch während er sprach eröffneten die terranischen Kriegsschiffe das Feuer auf die ihnen am nächsten gelegenen Schiffe.
„Das wird ein Gemetzel“, flüsterte jemand.
„So etwas nennt man Genozid“, korrigierte der Vorsteher totenbleich und immer noch flüsternd.

Kaum hatte der Vorsteher der Raumwacht den roten Alarm bekannt gegeben aktivierten sich im ganzen System die Verteidigungsanlagen. Riesige Raumstationen deren einzige Aufgabe es war den Feind mit allem zu beschießen über das sie verfügten. Jede dieser Stationen umfasste ein Kontingent aus hunderten Waffensatelliten, Torpedowerferbuchten und ganze Flotten von Kampfdrohnen. Die Verteidigung eines Systems war nach dessen strategischer Wichtigkeit und dem möglichen Verlust von unschuldigem Leben im Falle eines erwarteten oder unerwarteten Großangriffes ausgelegt, allerdings nicht im Hinblick auf die Ankunft einer Mondgroßen Schiffs- und Waffenträgerplattform die im Sekundentakt dutzende Schiffe ausspuckte. Nach der Aktivierung der Stationen waren Schilddrohnen ausgeschwärmt um die in der Nähe der Station befindlichen zivilen Schiffe zu schützen, während Kampfdrohnen in Angriffsformation gegen die feindlichen Schiffe ausrückten. Als der erste terranische Kreuzer das Feuer auf ein Frachtschiff in seiner Feuerreichweite eröffnete wurde er zum Ziel Nummer eins einer einzigen Verteidigungsanlage und versank nur zwei Sekunden später in einem Gewitter an Elektronenentladungen und wurde von mehreren Torpedos in Stücke gerissen. Die Drohnenschwärme teilten sich auf und begannen die terranischen Schiffe unter Beschuss zu nehmen, wobei sie sich bevorzugt auf kleine Ziele stürzten und diese mit kinetischen Ladungen durchlöcherten. Als das erste terranische Trägerschiff seine Kampfflieger startete stürzten sich hunderte Kampfdrohnen auf die geöffneten Hangars und die startenden Kampfflieger, woraufhin der Träger recht bald im Anschluss an eine Reihe kleiner Antimaterie Explosionen zerbarst.
Der erste terranische Schlachtkreuzer erwiderte das Feuer der Verteidigungsanlagen, geschützt von seiner schweren Panzerung überstand er mehrere Elektronenentladungen und sogar das schwere Partikellaserfeuer und zerstörte einige der Waffensatelliten bevor er ein paar kritische Torpedotreffer einstecken und sich aus dem Kampf zurückziehen musste nur um bei dem Versuch sich zur Basis zurück zu schleppen in einen Schwarm Kampfdrohnen zu geraten die kinetische Munition und Röntgenlasersalven in die geschwächte Panzerung pumpten bevor vier Drohnen sich opferten um in die Seiten des großen Kriegsschiffes zu schlagen. Schwer getroffen verlor die Besatzung die Kontrolle über das Schiff woraufhin es mit einem weiteren Schlachtkreuzer kollidierte und beide Schiffe zerbarsten. Szenen wie diese waren an jeder Verteidigungsanlage zu beobachten, aber nur in den wenigen Minuten nach dem Beginn des terranischen Angriffes. Mehr und mehr wurden die Drohnenschwärme dezimiert, die Waffensatelliten zerstört und die Verteidigungsanlagen selbst zum Ziel immer stärker werdender Angriffe. Bald zählte die Raumwacht über zweihundert terranische Schiffe die aus dem „Sprung Mond“ heraus gequollen waren und es noch immer taten. Wie eine Welle der Vernichtung rollten sie über alles hinweg, von den Verteidigungsanlagen lediglich verlangsamt, aber nicht aufgehalten. Die schwersten Verluste erlitten die terranischen Angreifer als eine der Anlagen erkannte das sie in alle Richtungen von feindlichen Einheiten eingekreist war und eine mehrere hundert Gigatonnen Antimateriewaffe zündete. Die Dabei frei werdende Hitze sorgte dafür das nicht nur die direkt betroffenen terranischen Schiffe vernichtet wurden, sondern auch die in direkter Nähe zu der gleißend hell strahlenden Kugel aus Hitze und Strahlung, deren Hülle einfach von der Schiffsstruktur herunter schmolz. Fortan blieben die Terraner mehr auf Abstand zu den kugelförmigen Raumstationen und ihrem auch ohne die Selbstzerstörungsoption schon sehr beeindruckenden Waffenarsenal. Die Männer und Frauen der Raumwacht mussten hilflos mit ansehen wie die terranische Invasion des Systems Kreuzfahrt- und Frachtschiffe, Fähren und Rettungskapseln, Raumhäfen, Hotels und sonstige Stationen und sogar die im System anwesenden Kräfte der Raumflotte hinwegfegte. Es ging soweit das von der terranischen Basis aus Waffen gegen die unberührte Oberfläche des Planeten gestartet wurden. Fusionswaffen die in den untern Schichten der Atmosphäre gezündet wurden.

„Also schön, die ersten Schiffe haben es geschafft aus dem System zu springen, bereitet die Evakuierung dieser Einrichtung vor, jeder der nicht mehr dringend gebraucht wird verlässt die Station und flieht aus dem System“, befahl der Vorsteher.
Einige der Operatoren hatten sich gerade von ihren Stationen erhoben als einer der noch arbeitenden Operatoren erschrocken aufschrie. Eine terranische Fregatte war in die Nähe der Station gesprungen und feuerte zwei Torpedos in den Rumpf der Station die in zwei strahlenden Blumen aus Feuer und Strahlung zerbarst.

Es war zu spät. Als die europäischen Fregatten sich erhoben um gegen die terranischen Schiffe zu kämpfen wies Vehtsel den Kapitän der Rising Star an einen Sprung an die die Oort Wolke des Systems durchzuführen. Als sie mit den Sprungvorbereitungen begann erhielten sie eine Nachricht von einem der terranischen Schiffe deren Rümpfe in verschiedenen Variationen der Farbe braun wie eine gewaltige Welle alles überrollten.
„Sie haben eine terranische Kennung. Stoppen Sie ihre Triebwerke und brachen Sie den Sprungversuch ab. Wir kommen an Bord um die Bürger der Vereinigung zu retten.“
„Ich habe eine Verpflichtung meinen Kunden gegenüber“, entgegnete Vehtsel mit zitternder Stimme.
„Ich bin verpflichtet alle meine Kunden wohlbehalten wieder an einem Hafen abzusetzen! Ich kann nicht guten Gewissens zulassen das Sie an Bord kommen und alle nicht Terraner verhaften!“
„Dann kann ich ihr Gewissen beruhigen. Jeder nicht Terraner an Bord ihres Schiffes wird von uns exekutiert. Sie haben dann keinerlei Verpflichtung mehr diesen Leuten gegenüber.“
Die Gleichgültigkeit in den Worten und der Stimme des Mannes lies Vehtsel erschrecken.
„Sie können nicht einfach so Jeden hier hinrichten der Kein Terraner ist! Es gibt internationale Verträge die Sie zu achten haben! Sie können nicht einfach so einen Genozid begehen!“, rief Vehstel entsetzt und angewidert von seinen eigenen Landsleuten auf deren Arbeit er eigentlich hätte stolz sein wollen.
„Die Verträge von denen Sie sprechen sind nichtig, wir tun was notwendig ist um die Herrschaft der Erde über die Menschheit zu festigen. Die finsteren Machenschaften der verbrecherischen Europäischen Allianz und ihren Kollaborateuren der Kommunistischen Konföderation haben auf Befehl des Präsidenten zu enden. Alle diese Subjekte sind keine Menschen, sie sind gleichgeschaltete Werkzeuge des bösartigen Willens einiger weniger machthungriger Größenwahnsinniger, es ist die Pflicht eines jeden Terraners sich gegen das Böse das der Menschheit von Europa und der Konföderation droht vorzugehen. Also werden Sie Ihre Pflicht nun tun oder sind Sie etwa ein Verräter ihrer eigenen Nation?“
Die Vereinigung war schon immer Obrigkeitsorientiert und ein bisschen totalitär gewesen, man hatte schlicht getan was der Präsident verlangte, Vehtsel hatte niemals daran gezweifelt das der Präsident das richtige für die Vereinigung tat. Doch diese Form der Hetze? Das war neu. Europa und die Konföderation waren immer nur lästig gewesen, wie sie mit ihrer ekelhaften Arroganz auf das glorreiche Terra herabgesehen hatten, aber niemals hatte man offen davon gesprochen das sie Verbrecher seien, das alle ihre Bürger Feinde Terras sein mussten. Er war natürlich kein Verräter seiner Nation, aber er fragte sich ob das überhaupt noch seine Nation war, deren Banner dort draußen auf den Schiffen prangte die unerbittlich Zivilisten hinschlachteten.
Oder hatten sie am Ende etwa recht?
„Aber ist es denn notwendig sie alle umzubringen? Vielleicht können sie noch gerettet werden?“, fragte Vehtsel flehend.
Der Captain des Navy Schiffes schwieg einen Augenblick.
„Um unsere braven Bürger nicht zu verschrecken und in Anbetracht der Tatsache das Sie recht haben könnten werden wir erst einmal davon absehen. Unsere Leute kommen dennoch an Bord und nehmen diese Subjekte fest.“
Vehtsel atmete erleichtert durch, kein Gemetzel an Bord seines Schiffes. Ein kleiner Erfolg wenn er daran dachte das das seiner Rising Star nachfolgende Schiff kurz vor dem Kontakt mit dem terranischen Captain zerstört worden war.



Erika hatte seit der Ankunft auf dem Stützpunkt mit dem Kommando verhandelt. Es war schlicht unvorstellbar das die Stundenten lediglich einen positiven Vermerk in ihrer Akten aus dieser Situation mitnahmen, wo sie doch praktisch Gefechtsentscheidende Arbeit geleistet hatten. Dreißig Minuten lang hatte sie ununterbrochen auf sieben schweigende Männer und Frauen der Verdeckten Operationen eingeredet, ihren obersten Admiral, sowie ihre derzeitigen direkten Vorgesetzten eingeschlossen. Sie hatte gekämpft wie schon lange nicht mehr. Genau genommen hatte sie seit ihrer Versetzung an die Akademie nicht mehr gekämpft, nicht wirklich zumindest. Es war ein sehr gutes Gefühl gewesen sich für jemanden einzusetzen. Noch viel besser hatte es sich angefühlt als das Kommando VO entschieden hatte ihrem Anliegen statt zu geben und sämtliche an der Operation beteiligten Kadetten für ihre Tapferkeit im Angesicht des Feindes auszuzeichnen. Ihre Arbeit trug Früchte, ausgezeichnete Früchte sogar. Diese vier, von ihr persönlich handverlesenen, Mannschaften hatten sich exakt so geschlagen wie sie es erwartet hatte, effektiv, präzise, erstklassig. Sie konnte nicht umhin sich gut zu fühlen bei dem Gedanken daran das diese jungen Leute sich auch deshalb so gut geschlagen hatten weil sie ihnen das beigebracht hatte.
Ihre vier Kapitäne fanden sich eine gute Viertelstunde nach ihrem Treffen in der Messe in dem angegebenen Konferenzraum ein. Einmal mehr standen sie vor ihr stramm und grüßten in perfekter Haltung.
„Meine Herren Kapitäne, stehen Sie bitte bequem. Besser noch, setzen Sie sich, ich habe Ihnen einiges mitzuteilen bevor das Kommando eintrifft und Sie und Ihre Mannschaften für das ehrt was sie an diesem Tag geleistet haben.“
Sie wartete bis sich die jungen Männer gesetzt hatten bevor sie fortfuhr.
„Es hat mich einiges an Arbeit gekostet Sie dorthin zu bringen wo Sie sich jetzt befinden, sehr viel sogar. Allerdings ist das Kommando mit mir einer Meinung das diese Arbeit sich mehr als ausgezahlt hat. Auch wenn eine einzige Operation am Ende eines Gefechtes, trotz der tatsächlichen Gefahr getötet zu werden, nicht aussagekräftig genug ist um sagen zu können das man Ihnen ihre Abschlussprüfungen erlässt und sie direkt in den aktiven Dienst übernimmt, so reicht es doch um Ihre Ausbildungssituation zu ändern. Sie werden Ihre Ausbildung im Dienst vervollständigen können, das hat das Kommando entschieden. Das Heißt für Sie und ihre Mannschaften das Sie in der jetzigen Konstellation zusammen bleiben werden, es ist sogar sehr wahrscheinlich das man Sie hier auf Axadia stationieren wird, das System bietet genügend Möglichkeiten weiterhin zu trainieren und ihre Ausbildung abzuschließen. Sie werden dazu erfahrenen Kapitänen unterstellt und dienen diesen unter anderem auch als Adjutanten sofern dies erforderlich sein wird. Diese Kapitäne werden auch darüber entscheiden was ihre Ausbildung abgeschlossen ist und werden dann eine Empfehlung darüber abgeben Sie in den aktiven Dienst aufzunehmen.“
Die vier jungen Männer waren sprachlos.
„Dies bezieht sich auf ihre kompletten Mannschaften, wie ich vorhin schon sagte. Man wird Sie hier als Mitglieder der Flotte akzeptieren und auch so behandeln, aber sie besitzen dann noch nicht alle Rechte eines voll ausgebildeten Offiziers. Es kann durchaus auch passieren das sich Ihre endgültige Aufnahme in die Flotte verlängert, im Gegenzug aber habe ich beim Kommando dafür sorge getragen das man Sie den Besten Kapitänen zuteilen wird die sich auf diesem Stützpunkt befinden. Das heißt auch das ich Sie nicht weiter unterrichten werde, ich denke aber das Ihnen diese Vorgehensweise zum größten möglichen Vorteil gereicht, weil Sie bei Ihren jeweiligen Mentoren sehr viele nützliche Kniffe lernen können und noch dazu einen Eindruck von der Realität des Flottenalltages bekommen.“
Die vier jungen Männer sahen sich an. Sie waren überrascht, einer wirkte fast bestürzt von der drastischen Entwicklung. Und doch konnte Erika ihnen allen ansehen das sie sich sehr über die Gelegenheit freuten.
„Eine solche Gelegenheit bekommen nur sehr wenige Kadetten und auch nur dann wenn Sie sich diese Gelegenheit durch harte Arbeit oder herausragende Leistungen verdient haben. Meine Herren, Sie haben sich dies verdient, vielleicht mehr als alle anderen Kadetten die jemals so eine Gelegenheit bekamen. Ich fühle mich durch Ihre Leistungen geehrt und ich bin sehr stolz auf das was Sie geleistet haben. Nun folgen Sie mir bitte, ich habe Ihre Leute bereits in den Festsaal bestellt. Das Kommando ist eben eingetroffen, wir wollen sie nicht warten lassen.“
Sie lächelte freundlich und wartete bis ihre vier Studenten den Raum verlassen hatten bevor sie ihnen folgte und die Tür hinter sich ins Schloss fallen lies.

Die Zeremonie begann sofort als sich alle Kadetten auf der Tribüne des Festsaals eingefunden hatten. Der Oberste Admiral der Verdeckten Operationen hielt eine kurze Rede vor allen Anwesenden, die im ganzen Komplex der Verdeckten Operationen ausgestrahlt wurde. Er sprach von Pflichtgefühl, Ehre, Mut und Tapferkeit welche die Rekruten auszeichnete die heute vor ihnen standen. Er lobte ihre Leistung ausgiebig ohne jemals überschwänglich zu klingen und machte abschließend amtlich was Erika ihren Studenten bereits anvertraut hatte. In den kommenden Tagen würde man jeder Mannschaft einen Mentor zuweisen der fortan ihre Ausbildung abschließen sollte.
„Nun, eine Auszeichnungszeremonie besteht, wie Sie sicherlich zu recht vermuten, aus mehr als einer kurzen Rede und viel Applaus. Es erfordert großen Mut und große Einsatzbereitschaft sich einer Mission anzuschließen für die man eigentlich noch nicht richtig ausgebildet ist und auch wenn Ihre Dozentin Sie alle inzwischen zu einem gewissen Grad einschätzen kann, hätte der ein oder andere von Ihnen sich anders entscheiden können oder gar einen verheerenden Fehler machen können. Ihnen ist nichts dergleichen widerfahren. Deshalb möchten wir sie auszeichnen mit dem Stern der Tapferkeit.“
Während er das sagte kamen Offiziere auf die Tribüne und hefteten jedem Kadett einen der schlicht wirkenden Orden an, mit Ausnahme der vier Kapitäne.
„Der Stern der Tapferkeit wird von der Alliierten Raumflotte an all jene verliehen die ihre Tapferkeit und ihren Mut unter Beweis stellen, wenn niemand von ihnen verlangen kann es zu tun, wenn es eigentlich viel wahrscheinlicher ist das die ausgezeichnete Person sich anders entschieden hätte. Sie alle kennen die Vorschriften und Regulierungen der Flotte, Sie hätten von der Mission zurücktreten können und doch haben Sie sich entschieden das Risiko auf sich zu nehmen. Dafür zeichnen wir Sie hier aus.“
Applaus brandete auf während die vier Kapitäne versuchten sich ihre Verwunderung nicht anmerken zu lassen.
„Es ist eine Sache eine Mission anzugehen obwohl man sich selbst vielleicht unvorbereitet fühlt oder es mit großer Wahrscheinlichkeit ist, es ist eine andere Sache eine solche Mission zu kommandieren. Auf dem Kommandanten einer Mission lasten Pflicht und Verantwortung das Beste aus seinen Leuten heraus zu holen. In einer Mission auf die man sich nicht vorbereiten kann, für gewöhnlich eine absolut aussichtslose Situation mit so gut wie keiner Aussicht auf Erfolg, wird dem Kommandanten darüber hinaus abverlangt seine Mannschaft bis weit über alle Grenzen hinaus zu Leistungen anzutreiben die von keinem Menschen unter normalen Umständen erwartet werden können. Diese vier jungen Kapitäne hier“, sagte der Admiral und unwillkürlich traten alle vier einen Schritt vor, „haben etwas noch viel besseres geleistet. Ihre Ausbildung ist alles andere als abgeschlossen, ihnen stehen noch vier Jahre praktischer Ausbildung bevor, um ihr Offizierspatent erhalten zu können. Als wir auf die Idee kamen unsere Kadetten einer solchen Herausforderung zu stellen, stellten wir uns natürlich auch die Frage ob sie dazu überhaupt bereit und fähig sein könnten. Wir kamen zu dem Schluss das sie unter Anleitung ihrer Dozentin, Frau Erika Martinez, diese Mission würden meistern können und doch waren wir uns sicher das diese Mission für einen Kadetten eine kaum zumutbare Belastung darstellen muss, eine schier überwältigende Herausforderung. Kurz, eine Situation die den kommandierenden Kadetten völlig überwältigt, wie es eine aussichtslose Situation erwartungsgemäß ebenfalls tun würde. Auch wenn immer Schiffe bereit standen um sofort zu Hilfe zu eilen, sie mussten ihre gegebenen Missionsziele aus eigener Kraft erreichen, mit ihren eigenen Mitteln und ihren eigenen Wegen. Das haben Sie, und das möchte ich deutlich betonen, mit Bravour gemeistert. Deshalb ist es mir eine besondere Ehre diese vier jungen Kadetten mit dem Stern der Allianz auszeichnen, dem höchsten Orden der in Annerkennung überragender Dienste und Leistungen nur an jene verliehen wird die schier unlösbare Herausforderungen gemeistert haben. Wir möchten hiermit anerkennen das sich diese vier Kadetten entschieden haben jeweils ein voll bewaffnetes Schiff in eine echte und nicht gestellte Kampfsituation zu führen, in dem Wissen das ein einziger Fehler den Tod eines jeden Mitgliedes ihrer Mannschaft und auch ihren eigenen bedeuten kann, ohne jegliche praktische Erfahrung und ohne jegliche Vorbereitungszeit. Niemand von uns hätte erwartet das diese vier jungen Männer mit einer derart beispiellosen Zur Schau Stellung von Mut und Tapferkeit die ihnen auferlegten Aufgaben antreten und so zufrieden stellend meistern. Ihnen allein ist die Gefangennahme der beiden terranischen Fleet Commander zu verdanken, ihre Mission war damit ein voller Erfolg. Was für jeden anderen Kapitän eine Routineaufgabe gewesen wäre war für sie eine absolut neue Erfahrung. Wir Beglückwünschen Sie zu Ihrem Erfolg und ihrer herausragenden Leistung“, sagte er zu den vier jungen Männern gewand bevor er dazu überging jedem von ihnen einen Orden anzuheften.
Rabbit hatte gerade von dem Obersten Admiral der Verdeckten Operationen persönlich den Stern der Allianz angeheftet bekommen, die höchste Auszeichnung der Flotte, im ganzen Militär. Voller Stolz strahlte er über das ganze Gesicht, unfähig seine Freude zu verbergen. Es war nur ein ganz winziger Stich das seine Familie in der Vereinigung lebte und das ihn sein Vater für diesen Orden auf ewig hassen würde, doch ihn störte es nicht, sein Vater war ihm egal, auch den Rest seiner Familie vermisste er nicht sonderlich, abgesehen von seiner Schwester Joy. Er sah zu Frau Martinez hinüber die bis eben noch ganz hinten im Saal gestanden hatte und zu ihm herüber geblickt hatte, bei ihr Reiter, deren Kommandos Rabbit auf die Mars gebracht hatte. Jetzt aber war etwas anders. Martinez redete aufgeregt mit einem Offizier der eben erst den Festsaal betreten hatte. Er konnte es nicht genau erkennen, aber das sie ihr Gesicht in ihren Händen vergrub konnte nichts gutes bedeuten. Kurz darauf stürmte sie aus dem Saal, dicht gefolgt von Reiter, den Offizier verloren wirkend stehen lassend. Er warf einen möglichst unauffälligen Blick hinüber zu Amtin der ihm mit einem alarmierten Blick antwortete. Sie warteten das Ende der Zeremonie ab ohne sich etwas anmerken zu lassen.
Als die Zeremonie offiziell beendet worden war wandten sie sich noch einmal der Höflichkeit wegen an den Obersten Admiral.
„Herr Admiral, ich und meine Kameraden sind Ihnen sehr dankbar für die Auszeichnung und Ihre Worte. Ehrlich gesagt kann ich meine Gefühle gerade nur schwer in Worte fassen. Ich möchte Sie aber noch etwas fragen bevor Sie wieder gehen“, sagte Amtin und wartete die Reaktion des Admirals ab.
„Selbstverständlich, Herr Blair, fragen Sie.“
„Wissen Sie was man Frau Martinez eben mitgeteilt hat?“
„Ja, darüber weiß ich Bescheid, aber es handelt sich um eine private Angelegenheit von Frau Martinez, ich fürchte das mir die Befugnis fehlt frei darüber zu sprechen, selbst zu Ihnen. Wenn das alles ist, dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag und einen angenehmen weiteren Aufenthalt in dieser Basis bis man Sie offiziell in den Dienst beruft, ich habe noch zu tun, Sie entschuldigen mich bitte.“
„Natürlich“, sagte Rabbit mit fester Stimme.
Innerlich zitterte er vor Aufregung. Zum einen der Auszeichnung wegen, zum anderen fragte er sich was man Frau Martinez berichtet hatte.

„Was hast du vor?“, fragte Karin, während sie hinter Erika her lief.
„Ich werde dieses Schwein mit meinen bloßen Händen erwürgen, das habe ich vor“, giftete Erika zurück.
„Das wirst du nicht tun“, erwiderte Karin und bemühte sich zu ihrer Freundin aufzuholen.
„Du wirst mich schon erschießen müssen um mich daran zu hindern. Dieser wertlose Bastard hat meine kleine Kristien umgebracht! Niemand legt Hand an meine Schwestern oder meinen Bruder hörst du, niemand!“, sagte sie nachdem sie abrupt stehen geblieben war und sich umgedreht hatte so das Karin fast in sie hineingelaufen wäre.
„Ich verstehe ja das du…“
„Nichts verstehst du! Nachdem meine Mutter entschieden hatte das mein Vater nicht gut genug sei für ihre hochtrabenden Pläne von persönlichem Wohlstand hat sie meinem Vater, meinem Bruder und mir meine Schwestern einfach weggenommen. Es hat mich viel Arbeit und Zeit gekostet um den Kontakt wieder her zu stellen. Meine Schwestern sind von meiner Mutter nur tyrannisiert worden, bis ich der Flottenakademie beigetreten bin und alles in gang gesetzt habe was mir möglich war um sicher zu stellen das meine Schwestern wieder bei unserem Vater leben können. Ich habe sie alle beschützt seit ich denken kann, sie sind meine Familie, alles was ich habe! Ich erlaube keinem dahergelaufenen wertlosen terranischen Bastard mir das wichtigste zu nehmen das ich besitze! Ich erlaube diesem Mörder nicht Gnade durch unser ansonsten fehlerloses Rechtssystem zu erfahren, er wird für das was er all den Familien der angetan hat büßen!“
„Und du bist qualifiziert und berechtigt genug das zu entscheiden und durchzuführen?“, fragte Karin sanft.
„Ich habe meine kleine Kristien durch seinen Befehl verloren. Selbst unser Bruder, der jüngste von uns, Ralph, hat sein Leben allein in den Griff gekriegt, nur Kristien nicht, ich habe sie zu dem gemacht was sie war, ich habe ihr alles beigebracht was ich wusste, ich habe sie davor bewahrt…“, ihre Stimme brach, so plötzlich das sie sich fast verschluckte.
„Ich werde ihn töten“, flüsterte sie mit erstickter Stimme und wollte sich gerade umdrehen als Karins Blick sie davon abhielt.
Karin hatte recht schnell gelernt wie sie mit Erika umzugehen hatte. Das sie die jüngere war störte sie kaum, sie kam oft genug dazu das Kommando zu übernehmen wenn sie beide allein waren. Dennoch gab es Situation in der sie der Älteren die Führung überlies. In ganz seltenen Fällen aber nutzte sie dann und wann den einen oder anderen Trick um doch ihren Willen zu bekommen. Und im Moment, da war sich Karin sicher, war es unabdingbar das ihre Geliebte tat was sie von ihr wollte. Der flehende Blick den sie aufgesetzt hatte wirkte nicht immer, aber im Moment erzielte er exakt die beabsichtigte Wirkung.
„Sieh mich nicht so an“, jammerte Erika.
So zärtlich sie konnte nahm Karin Erika in den Arm und küsste sie sanft auf die Schläfe.
„Ich will nicht das du ihn tötest. Nicht weil er sein Leben oder gar Gnade verdient. Er ist ein wertloser Haufen Dreck der nur noch am Leben ist weil Recht unumstößlich ist und die Strafe die er erfahren wird sehr viel schlimmer sein wird als wenn du ihn einfach nur erwürgst. Die Terraner wollen das wir wie sie werden, niederträchtig, hasserfüllt, rachsüchtig. Wie Tiere. Wir sind besser als das. Du bist besser als das. Ich weiß das“, flüsterte sie und drückte Erika an sich.
„Ich hasse ihn so sehr das es meine Seele verbrennt“, wimmerte Erika in Karins Armen.
„Ich bin bei dir“, erwiderte Karin, „Lass es raus, lass es alles raus. Ich bin immer bei dir“, flüsterte sie.
Erika lies es heraus. Mitten auf dem Korridor brach sie unter lautem Schluchzen zusammen. Erst ein durch einen Sanitäter verabreichtes Beruhigungsmittel sorgte dafür das sie sich beruhigte. Tief betroffene Männer und Frauen der Verdeckten Operationen sahen mit an wie die Sanitäter Erika auf eine Trage legten und sie anschließend auf die Krankenstation verbrachten.
„Was muss man tun um eine unserer besten derart zu zerbrechen?“, fragte Schwarzer der unvermittelt neben Karin aufgetaucht war.
„Hastings hat ihre kleine Schwester und ihren Onkel getötet. Sie hatten auf einem der drei Frachter Dienst“, antwortete Karin schwach.
„Eine furchtbare Sache“, murmelte Schwarzer.
„Es ist schlimmer als sie vielleicht denken. Bevor sie zusammengebrochen ist war sie voller Hass, sie wollte diesen Terraner mit ihren bloßen Händen töten. Und ich habe ihr geglaubt das sie das nicht einfach nur so gesagt hat. Ich habe Angst das diese Ereignis sie nicht mehr so schnell loslassen wird“, flüsterte sie.
„Der Verlust eines geliebten Menschen ist nie leicht. Dazu kommt das Sie bedenken müssen das Terraner und Europäer sich von einander unterschieden. Die Terraner sind ordentliche und effiziente Menschen, ihre Regierung, wenngleich totalitär angehaucht, ist eine harte und strenge Regierung, aber ungemein Gerecht und wohlwollend. Das führt zu einer Gesellschaft die nach außen hin immer nur perfekt funktioniert, weil sie alle dem Ideal gefallen wollen das die Regierung sich ausgedacht hat. Wir dagegen haben uns vor langer Zeit dafür entschieden das alle Menschen verschieden von einander sein müssen, was dazu geführt hat das Emotionen im öffentlichen Leben in Europa immer an der Tagesordnung sind. Das führt aber auch dazu das viele von uns abhängig von emotionalen Konstanten sind, weil um sie herum ein steter Sturm der verschiedensten Emotionen vorherrscht. Frau Martinez hat sich emotional an ihre Geschwister gebunden, sehr sogar. Einen Teil ihrer Familie zu verlieren, noch dazu durch einen Terraner, muss für sie das schlimmste mögliche Erlebnis sein das es gibt. Ihre ganz private kleine Hölle“, sagte er bitter.
„Ich werde ihr besser folgen. Nicht das sie noch irgendwelche Unsinn macht“, sagte Karin und beeilte sich die nächst gelegene Krankenstation aufzusuchen zu der man Erika verbracht hatte.
Schwarzer sah ihr nach. Für einen winzigen Augenblick fühlte er den starken Drang nach D5 über zu wechseln und diesen Hastings in seiner Zelle aufzusuchen. Statt dessen entschied er sich dafür, Sorge dafür zu tragen das Erika Martinez gut versorgt wurde und nicht wieder auf den Gedanken kam Gefangene umbringen zu wollen. Auf Lange Sicht würde nur harte Arbeit ihr bei der Überwindung helfen, da war er sich sicher. Aber ihr spezielles Fachgebiet lies eigentlich nur eine Form von harter Arbeit zu und das würde sie zweifelsfrei direkt wieder in den Kontakt mit Terranern bringen. Keine so gute Idee, wie er fand.

okayyyyy

this is it what happens when I'm trying to ad a short (sic!) chapter to my story. More than 70k letters (ok, not all the way over 70k, 'cause I'm including spaces but I'm missing the right vocabulary at this very moment. Who cares.)

So this is the promised ninth chapter telling the story of Erikas Little Sister Kristien and the attack of the all mighty Terran Jump Moon One, the so called China Moon (where this comes from will be explained later on (again!) in detail). There'll be a link between on of the already existing characters, Hadda and the family of Siegfried (until then you could just try and guess who Haagen might be ;) )

Oh and of course there's nothing wrong with me, I just thought of practicing the English language and of course writing and (in direct consequence of that) thinking in English. There may be a short presentation about some European technologies in English as I try to practice a bit more, so that my typing English words into my keyboard gets a bit more fluidly then it is in this very moment (Opera ten is helping me very much with English orthographic correction as I progress in typing this little text XD).

Fare well until next time and God Speed (I always wanted to say something like that before XD)

noch ein paar fehler

hab noch ein paar sachen vergesen, wie mir scheint, muss zuhause mal schaun das ich das eventuell überarbeiten

hab vergessen mich hier anzumelden, der Kommentar is halt auch von mir - Walle

Terraner

ich baue da auf was hin, mit denen, im großen und ganzen sind sie sehr einseitig, aber das erschöpft es noch nicht abschließend (im endeffekt sind sie aber schlicht die Bösen hier, die Erde kann auch nicht immer nur Hort herzensguter strahlender Helden sein, hier ist sies halt mal nicht^^)