In großer Zahl
Terra, die Heimat der ganzen Menschheit, Symbol für die Freiheit der Bürger der terranischen Vereinigung. Und doch auch das Symbol für die moderne autokratisch totalitäre Herrschaft.
Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs der Erdterritorien und dem damit verbundenen Ende der ersten und seither einzigen geeinten menschlichen Nation sind vor allem die Menschen auf der Erde von dem Gedanken fasziniert zu diesem alten Zustand zurück zu kehren. Als die einzelnen Territorien die heute das Kerngebiet der Vereinigung bilden, sich entschieden einen neuen Staat zu gründen, da hatten ihre politischen Führer das Gefühl die neue Situation erfordere eine liberalere Herangehensweise. Der Thron wurde aufgegeben, auch wenn Palast und Thron noch heute existieren und nur darauf warten das ein neuen Kaiser über die Erde und alle Menschen herrscht, und der Senat bekam die komplette Macht. Ein Präsident wurde eingesetzt, gewählt vom Volk sollte dieser Mann die Menschen von der Erde aus regieren und dafür sorgen das die in die Irre geführten Verlorenen Kinder der Erde früher oder später wieder zurückkehrten. Damals dachte man noch die Situation würde nicht lange anhalten, wenn die Erde Mut zu Neuem und vor allem Wandlungsfähigkeit bewies. Der Junge Staat war entsprechend voller Fehler und Makel, solcherart das zu Beginn des ersten großen Krieges, ein Jahr nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs, keine andere Möglichkeit als eine totale Staatsreform mehr bestand um das Auseinanderbrechen der Vereinigung zu verhindern. Der Krieg, ausgelöst von dem Bund unabhängiger Staaten der sich gebildet hatte um sich diplomatisch und nötigenfalls auch militärisch gegen die wiedererstarkte Erde verteidigen zu können, war der Aufhänger für einer der drastischsten Staatsreformen in der Geschichte der Menschheit seit Adolf Hitler sich vom Volk zum Diktator ernennen lies. Die Menschen auf der Erde hießen es sehr willkommen das der Präsident von nun an viele Vollmachten und Handlungsfreiheiten besitzen sollte, getreu dem Motto, wenn der Präsident es tut ist es nicht illegal.
Nach dem Ende des Krieges, als Admiral Hastings über dem Planeten Presence kapituliert hatte um seine junge Frau und seine Kinder die er an Bord seines Schiffes hatte zu retten, versprach der Präsident seine Vollmachten wieder abzugeben. Doch dazu kam es nicht. Unruhen in den neu eroberten und neu eingegliederten Gebieten zwangen ihn zu drastischem Vorgehen. Die Menschen im Innersten Territorium der Vereinigung, die hartes und drastisches Handeln von ihren Kaisern gewohnt waren, sahen die alte Stärke der Erde wiederhergestellt und fühlten sich zufrieden mit einem starken Führer, die äußersten Territorien allerdings begannen die Starke Hand der Erde zu fürchten. Zwei Jahre nach dem Ende des Krieges wurde der gesamte Weltraum über einer bestimmten Höhe zu militärischem Sperrgebiet erklärt, kein Bürger durfte mehr ohne militärische Genehmigung den Raum bereisen. Harte Gesetze und noch härtere Strafen wurden eingeführt, viel schärfer als es unter dem erhabenen Kaiser je gewesen war, sie dienten vor allem der Abschreckung. Man begann Jagd zu machen, auf alle Aufwiegler, Aufrührer, Aufständische, das organisierte Verbrechen. Man setzte sogar Militärkräfte ein. Für ein halbes Jahr Erdstandartzeit schien es als befände sich die Vereinigung im Bürgerkrieg. Überall in den äußeren Welten begehrten die Menschen auf und wehrten sich mit Gewalt. Geschickte Manipulation der Medien lies es auf den Inneren Welten und auf der Erde allerdings so aussehen als würden die Aufständischen versuchen die Vereinigung grundlos zu zerschlagen. Eine Gruppe mutiger Journalisten schaffte es schluss endlich die Missstände in der Regierung aufzudecken. Der Aufschrei war groß und bald wurden Rufe nach Genugtuung und Gerechtigkeit laut. Prozesse wurden abgehalten, Menschen wurde verurteilt, die komplette Administration inklusive dem Präsidenten öffentlich gehängt, ihr Verbrechen, Hochverrat.
Ein neuer Präsident kam, er machte viele Versprechen, hielt viele davon ein. Arbeitsplätze, Steuererleichterungen, medizinische Versorgung für alle, Bildung. Der Raum bleib weiterhin gesperrt, die Gesetze und Strafen blieben weiterhin. Und wieder wurden die Medien manipuliert, diesmal aber subtiler. Anstatt falsche Nachrichten zu publizieren wurde die Wahrheit lediglich beschnitten, subtil abgeschwächt. Über die Jahre hinweg wurden die Stimmen derer die unzufrieden waren leiser und weniger. Das öffentliche Leben wurde zuerst stückweise, dann immer mehr überwacht, bis bald jeder öffentlich zugängliche Ort lückenlos von Kameras und Audioabhörvorrichtungen überwacht werden konnte. Die Präsidenten kamen und gingen und jedes Mal kamen ein paar winzige Veränderungen mehr hinzu. Jeder Bürger musste fähig sein mit einer Waffe umgehen zu können. Jeder Bürger musste sein Talent und seinen Nutzen für das Militär testen lassen, große Konzerne bekamen Vergünstigungen bei Steuern und anderen Abgaben wenn sie dafür dem Staat Rabatte gewährten. Man schraubte die Bildung zurück, arrangierte sich mit den großen Firmen, trimmte die Bürger aufs Arbeiten.
Aber, man hatte aus früheren Fehlern gelernt. Der Bürger war nicht nur ein Werkzeug, er war das Herzstück des Staates, er musste immer zufrieden sein und das konnte man nicht erzwingen, egal wie sehr man ihn dazu zwang. Also wurde dem Bürger vieles leichter gemacht. Als es wieder möglich war auf bestimmten Routen den All zu bereisen, zumindest für die Schiffe großer Reederein störte es die wenigsten Menschen das die Reederein Wucherpreise verlangten und nachdem selbst kleine Unternehmen ihre Kreuzfahrtschiffe wieder auf von ihnen selbst festgelegten und natürlich genehmigten Routen fahren lassen durften vergaßen die Menschen recht bald das sie immer noch nicht auf eigene Faust in den Raum reisen konnten. Als wieder jeder Bürger das uneingeschränkte Recht hatte zu studieren wenn er die Anforderungen an seine Bildung erfüllt vergaßen die meisten das sie nur studieren konnten was die Firmen für wichtig erachteten. Und als es wieder freie Kunst, Filme, Fernsehen und Musik gab, die spielen, zeigen, schreiben, malen und erzählen konnten was sie wollten da vergaß der Bürger völlig das er sich hatte in einen goldenen Käfig sperren lassen, das all seine Sicherheit auf Kosten seiner Freiheit erkauft worden war. Und so jubelten die Menschen Himmel hoch jauchzend als der Präsident der Europa den zweiten großen Krieg erklärte um die gesamte Menschheit wieder unter der Flagge der Erde zu vereinen.
Was konnte schon so falsch daran sein, wenn der Präsident, der niemals je einen Fehler machte, sagte das Europa in bemitleidenswerten Zuständen dahinsiechte, das alle anderen Menschen außerhalb der Vereinigung es schlechter hatten als die Terraner, die nun wirklich in Überfluss lebten.
Und wenn sie sich nicht freiwillig helfen ließen, so der Präsident, dann hatte er keine andere Wahl, als mit blutendem Herzen alles in seiner Macht stehende zu tun um diese Armen Schweine zu ihrem Glück zu zwingen. Es geschähe immerhin zu ihrem Besten.
Michael saß gelangweilt auf seinem Stuhl und sah den Aufräumarbeiten im Hof der Festung zu. Die feigen Europs hatten sich nicht getraut auf die Oberfläche zu kommen, nein, sie hatten Bomben aus dem Orbit abgeworfen. Nachdem sie die Satelliten und vermutlich auch die Wächterflotte vernichtet hatten und die einzelnen Lager und Festungen auf der Oberfläche nun abgeschnitten waren würden die Europas sie vermutlich aushungern wollen. Er musste bitter lachen als er daran dachte wie sehr er sich darauf gefreut hatte an dieser Mission teilnehmen zu können, wie sehr er doch auf Feindkontakt gehofft hatte. Die Arroganten Europas hatten einfach kommen müssen um diese Wilden hier zu „beschützen“. Die Vereinigung würde diese Unterdrückung nicht mehr akzeptieren, sobald der Krieg vorbei war würden man diesen Armen Schweinen hier beibringen sich wieder wie Menschen zu benehmen und zu fühlen. Er glaubte so fest an die Richtigkeit dieser Sache.
Von der Wachstube auf dem Turm war nicht mehr viel übrig. Lediglich ein Teil der Plattform. Man hatte provisorisch eine Leiter an den Turm gestellt damit er hinaufklettern und Wache halten konnte. Jetzt langweilte er sich wieder hier, dabei hatte er gehofft bei den Aufräumarbeiten helfen zu können. Immerhin, so konnte er in Gedanken an seine geliebte Bernadine schwelgen. Er vermisste sie. Ihr langes bernsteinfarbenes Haar, das glockenhelle Lachen, ihre warmen weichen braunen Augen. Er musste lächeln als er an den Abend vor seiner Abreise dachte, wie sie nebeneinander gelegen…
Er sprang auf und sah sich hektisch um, irgendetwas war eben an ihm vorbeigezogen, so schnell und doch so leise das er kaum mehr als ein leises Flüstern von sich bewegender Luft wahrgenommen hatte. Unten im Hof der Festung hatte jemand seine Reaktion bemerkt denn kurz darauf meldete sich sein wachhabender Offizier und fragte was los sei.
„Ich bin mir nicht sicher“, antwortete er wahrheitsgemäß, „aber ich glaube eben ist etwas an mir vorbei geflogen“, fuhr er fort.
Er war sehr stolz darauf das seine Ehrlichkeit im Militär stets gewürdigt worden war.
„Wir können hier nichts sehen, sind Sie sich sicher?“, fragte der Offizier.
„Ich weiß es nicht, es könnte auch ein Windstoß gewesen sein, aber das hätte sich anders angefühlt. Es hat sich nur wie ein Windstoß angehört, aber gespürt habe ich nichts“, beschreib er das Ereignis.
„Gut, wir überprüfen das, bleiben Sie wachsam“, erwiderte der Offizier bevor ein kurzes Knistern die Verbindung beendete.
Michael war alarmiert, die Verbindungen waren digital, da knisterte normalerweise nichts. Zumindest wenn alles funktionierte wie es sollte.
„Alarm!“, brüllte er in den Hof herunter, sich sicher das irgendetwas nicht stimmte.
Wie er es erwartet hatte konnte er die Zentrale nicht mehr erreichen.
„Sie stören unsere Kommunikation!“, rief er den verwirrt drein blickenden Männern und Frauen im Hof zu.
Ein Schatten zog schnell über ihn hinweg und gerade noch rechtzeitig sah er auf um die Formation aus Drohnen zu sehen die über die Festung hinweg jagten. Vor drei Stunden hatten sie gefordert das sie kapitulieren sollten, soviel wusste Michael. Er hatte nicht gedacht das sie ihre wahnwitzige Behauptung in die Tat umsetzen würden. Als er jetzt zum Horizont sah stellte er fest das er sich geirrt hatte. Die erste Staffel Bomber zog über die Festung hinweg. Dann die zweite und die dritte. Er hatte sein Gewehr in den Händen, doch er traute sich kaum es fester zu fassen und zu heben, so sehr fürchtete er sich davor was er sah. Kampfflugzeuge jagten über die Festung hinweg und er konnte Panzer über die Ebene heranrollen sehen. Wann hatten die Europs all das abgesetzt?
Als er das heranrollende Donnern hörte war es bereits zu spät. Artilleriegranaten schlugen überall rund um die Festung ein, rissen gewaltige Krater in den weichen Boden, zwei trafen den Innenhof der Festung, zerfetzten erbarmungslos Gebäude, Ausrüstung und Menschen. Michael wurde von der Druckwelle umgeworfen und fast vom Turm gewischt. Er schnappte nach Luft, nachdem ihm die Druckwelle die Luft aus den Lungen getrieben hatte. In seinen Ohren war nichts außer seinem eigenen dumpfen Atmen, dem Trommeln seines Herzens und dem Rauschen des Adrenalins. Nur langsam kündigte sich, scheinbar in weiter Ferne das bekannte Klingeln an. Mühsam drehte er sich auf den Bauch und stemmte sich halb hoch als er die Panzer wieder sehen konnte. Sie hatten Stellung bezogen, die Geschütze feuerbereit. Sie würden all das hier dem Erdboden gleich machen, sie würden jeden töten. Sie kannten keine Gnade und keine Menschlichkeit. Er schloss die Augen und schloss mit dem Leben ab und hoffte wenigstens das ihm ein schneller Tod zuteil werden würde. Zwei Artilleriegranaten die sie mehr zufällig getroffen hatten waren nötig gewesen um jeden Widerstand den die Festung hätte aufbringen können zu zerschmettern, er zweifelte nicht daran das ihre Panzer das Feuer erst einstellen würden wenn die Festung nur noch aus qualmenden Ruinen bestand. Reduziert auf die Grundmauern und qualmende Asche. Das Hämmern der einschlagenden Panzergranaten nahm er nur als Druck von außen war. Er hatte sich wieder völlig auf den Turm gelegt und die Hände schützen über den Kopf gelegt. Mit fest geschlossenen Augen wartete er auf den Moment an dem er sterben würde und verfluchte sich dabei nur selbst. Er wollte zurück zu Bernadine. Das Klingeln in seinen Ohren steigerte sich zu einem durchdringenden Pfeifen durch das sich allmählich das Donnern der einschlagenden Panzergranaten mischte.
Wie lange er da lag und seinen schreienden Kameraden beim Sterben lauschte wusste er nicht mehr, er wusste nur das es nur etwas länger dauerte als seine Ohren brauchten sich von den Druckwellen der beiden Artilleriegranaten zu erholen. Der Beschuss ebbte so plötzlich ab wie er scheinbar begonnen hatte. Er hörte nur das Rufen und Schreien seiner Kameraden im Hof und spürte die Tränen die heiß seine Wangen herab gelaufen waren während er gedacht hatte sterben zu müssen. Jetzt sah er nach unten und sah die europäischen Soldaten überall in der Festung, wie sie Männer und Frauen herumschubsten, Verletzte sortierten, Offiziere aufreihten. Er sah seinen Vorgesetzten aus der Zentrale mit hinter dem Kopf verschränkten Armen neben einem der beiden großen Krater stehen. Er richtete sich auf und sah sich um. Das Tor war niedergerissen worden, die Festung von europäischen Panzern und Soldaten umstellt, Schweber hingen in der Luft, die meisten davon trugen die großen roten Kreuze auf weißem Grund mit denen die Europs ihre medizinischen Truppen kennzeichneten. Irgendwann einmal hatte das für alle Menschen die gleiche Bedeutung gehabt, hatte er mal gehört. Es bedeutete vor allem eins, sie hatten nicht vor sie alle hinzuschlachten und das er seine Waffe auf keinen Fall auf eines dieser Flugzeuge oder einen Soldaten mit diesem Symbol auf der Uniform richten durfte, es sei denn er wollte genau das erreichen vor dem er sich gerade so sehr gefürchtet hatte. Hinter sich hörte er einen weiteren Schweber aufsteigen und drehte sich um. Das schlanke Fluggefährt war direkt auf ihn gerichtet, seine Waffe bedrohlich dicht bei ihm, ein starker Scheinwerfer blendete ihn das er die Hand vor das Gesicht heben musste.
„Legen Sie die Waffe nieder und ergeben Sie sich“, lautete die schlichte Anweisung.
Und er gehorchte.
Der Marktplatz hatte sich in ein Schlachtfeld verwandelt. Der Hauptmann hatte sich zurückgezogen und lies die Puppen ihre Arbeit machen, während die europäischen Marineinfanteristen alle Mühe hatten nicht versehentlich einen Zivilisten zu erschießen. Die wenigen Bewohner der Stadt die sich verängstigt in die Winkel und Gässchen rund um den Marktplatz drückten hatten keine Ahnung was da vor ihren Augen passierte und trotzdem starrten sie angestrengt und versuchten es zumindest irgendwie zu begreifen. Johanna Richter, seit etwa einem Monat mit ihren Leuten wieder auf dieser Welt, wechselte immer nur in scheinbar letzter Sekunde die Position um eine weitere Puppe mit ihrer Waffe zu erschießen. Ihre Leute gaben sich wirklich alle Mühe es ihr gleich zu tun, doch die mit Schwertern, Äxten und Hellebarden bewaffneten Puppen des Hauptmannes waren nicht nur verdammt schnell sondern auch verdammt lästig, wie Kun sich denken konnte. Er sah einige der europäischen Marineinfanteristen mit erstaunlich eleganten Schwertern gegen die versklavten Körper kämpfen.
„Bleiben Sie nach Möglichkeit irgendwo in Deckung“, hatte Richter ihm gesagt, nachdem er von ihr hatte wissen wollen wer sie war und was das hier alles sollte.
Jetzt hockte er unter den Trümmern eines Markstandes und versuchte nicht aufzufallen. Farass war irgendwo hinter ihm, er hörte ihren schnellen Atem und ihre unruhigen Bewegungen, während vor seinen Augen eine Schlacht tobte die ungleicher nicht hätte sein können. Richter, die mit langen, wehenden, roten Haaren in dem allgemeinen Tumult einfach zu verfolgen war, ware gerade dabei ein paar Zivilisten zu beschützen, einen Mann der aussah wie ein Handwerker aus der Stadt und seine Familie, eine Frau und ein Mädchen das vielleicht gerade fünfzehn Jahre alt sein musste. Er nutzte die Sichtvergrößerung seiner Okkularimplantate um all da zu beobachten. Sie marschierte einfach quer durch das Schlachtfeld, drehte sich schwungvoll um die eigene Achse um einem Feind auszuweichen, bevor sie den durch Naniten versklavten Körper der Puppe mit einem gezielten Schuss in den Rücken niederstreckte. Plötzlich hörte er hinter sich schnelle Schritte und bevor r sich hatte umdrehen können hörte er Farass kreischen. Als er sich endlich umgedreht und seine Sichtvergrößerung abgeschaltet hatte konnte er ein paar junge Männer sehen die Farass gepackt hielten und ihn zu umringen versuchten.
„Ihr seid schuld an diesem Zorn! Wir übergeben Euch der Wache vielleicht kehrt dann endlich wieder Ruhe ein!“, rief einer von ihnen mit zittriger Stimme.
Offenbar war er in Panik geraten weil er nicht verstand was um ihn herum passierte, Männer und Frauen in seltsamen Rüstungen die mit wahrhaftig tödlicher Magie alles um sie herum verwüsteten, das musste für ihn ausreichend unbegreifbar sein.
„Die Wache ist …“
„Überwältigt ihn, ich will seine Lügen nicht hören! Er und diese Hexe müssen dafür verantwortlich sein!“
„Warum töten wir sie nicht einfach? Diese Golems haben den Fürsten getötet!“, rief einer von denen die Farass hielten.
„Ja, genau, lasst sie uns einfach töten!“, stimmte ein weiterer mit ein.
„Wir müssen das Gesetz achten“, sagte der Anführer und klang dabei ausreichend unsicher um in näherer Zukunft sein Kommando zu verlieren fand Kun, „andernfalls wird der Zorn nie abebben!“
„Und wenn es kein Zorn ist? Wenn es einfach nur Hexerei ist die diese Beiden hier ausgeheckt haben?“, fragte ein weiterer.
„Hört endlich auf zu reden, entscheide endlich!“, fuhr der Junge Mann an der Seite des Anführers dazwischen.
„Es muss einfach ein Zorn sein, das hier geht über alle Formen der verbotenen Zauberei hinaus von denen uns die Mutter erzählt hat“, sagte der Anführer unsicher.
„Ach, das wird mir zu dumm, ich töte diese Hexe!“, sagte einer von ihnen laut und die anderen stimmten ihm grölend zu.
Kuns Magen schien zu einem Klumpen fester Masse zusammen zu schrumpfen, so schwer wie eine Singularität, er fühlte sich auf einmal völlig unfähig zu handeln, so als würde sein Bewusstsein mit sich selbst kämpfen ob er einschreiten sollte. Er mochte Farass eigentlich, inzwischen hatte er sich sehr an sie gewöhnt, doch er hatte auf einmal das merkwürdige Verlangen sich eine ruhige Ecke zu suchen und sich zu verstecken, es war wie ein physisches Verlangen, so stark wie sonst nur großer Hunger oder Durst. Nur mit großer Anstrengung konnte er seine Füße davon abhalten durch die Gegen zu laufen ohne ihm zu gehorchen. Er hatte bisher immer gedacht schlecht zu träumen wenn er des Nachts dachte ohne eigene Kontrolle durch die Gegend zu laufen oder sogar Gespräche mit irgendwem zu führen.
Mit großer Anstrengung konnte er sich zusammenreißen und sich zum Makrtplatz umdrehen wo Richter gerade eine Puppe mit einem kräftigen Schlag von den Füßen holte bevor sie dem am Boden liegenden Sklaven des Hauptmannes direkt ins Gesicht schoss.
„Richter!“, brüllte er, bevor ihm schwarz vor Augen wurde.
„Diese Mikropfeilgaranaten werden uns die kämpfenden Parteien lange genug vom Hals halten damit wir Mr. Jonas da heraus holen können. Denken Sie daran, der Platz ist ein einziges Schlachtfeld, je schneller wir da wieder raus sind desto besser, aber achten sie auf ihren Rücken, es wird sicherlich nicht einfach werden europäische Aufklärer wieder los zu werden. Wenn Sie die Gelegenheit haben einen oder mehrere von denen ohne großes Aufsehen auszuschalten machen Sie das, aber es ist wichtiger das niemand erkennt wer wir sind, wen wir uns krallen und vor allem wo wir hingehen, wenn es sein muss lassen Sie die Europs in Ruhe. Alles Verstanden?“
Ein Einstimmiges Hua! war die einzige Antwort. Sie mussten schnell sein also mussten sie direkt über dem Marktplatz abspringen. Der schlanke Springer feuerte eine Reihe Mikropfeilgranaten voraus die über dem Marktplatz auslösten und alles unter sich in einen dichten Hagel aus winzigen Pfeilen hüllten. Während die Europs in ihren Kampfanzügen aber relativ sicher vor den vergifteten Pfeilen waren fielen die Bewohner der Stadt und die Puppen des terranischen Nanokriegers reihenweise um wenn sie von genügend der kleinen Pfeile getroffen worden waren. Sekunden später sprangen sechs in schwarze Kampfanzüge aus flexiblen Panzerstoffen gekleidete Kämpfer über dem Marktplatz ab und bremsten schlitternd ihre hohe Geschwindigkeit ab bevor sie einen Kreis bildend in die Hocke gingen und ihre Umgebung sondierten. Das Feuer der europäischen Waffen hatte den Marktplatz an einigen Stellen stark verwüstet, andere Bereiche waren dagegen weitgehend unversehrt geblieben.
„Ziel gesichtet“, meldete einer der Kämpfer dann und stürmte bereits los, während die anderen sich noch umdrehten.
In ihren persönlichen Sichtfeldern wurden die taktischen Daten aktualisiert die sie von ihrem Kameraden erhalten hatten. Keiner von ihnen würde den direkten Kontakt mit einem der europäischen Soldaten überstehen, ihre Anzüge schützen sie hauptsächlich vor dem Wetter und vor unverstärkten Nahkampfangriffen, Streifschüssen und ähnlichem, aber dafür waren sie schnell und ausgesprochen beweglich. Aber auch das würde ihnen nur dann etwas helfen wenn sie aufpassten kein gutes Ziel zu liefern, denn die Europäer waren verflucht gute Schützen.
„Die Europs haben uns gesehen, last euch nicht aufhalten und holt euch die Zielperson, wenn es eng wird dann teilen wir uns auf“, gab Richter Anweisung an seine Leute.
„Da ist eine Auqarianerin bei der Zielperson, was sollen wir mit der machen?“, fragte die einzige Kämpferin der Gruppe.
„Ich sehs“, antwortete Richter säuerlich.
„Sie ist Teil seiner Tarnung, vermutlich müssen wir sie mitnehmen“, sagte er.
„Was?“, fragte einer seiner Leute.
„Sie könnte die Europs auf Jonas’ Spur führen!“, erwiderte er bevor er mit einem großen Satz die letzte Entfernung zwischen sich und seiner Zielperson zurücklegte.
Eine Gruppe Stadtbewohner lag gespickt mit Mikropfeilen um den zertrümmerten Marktstand herum, Jonas kam kurz darauf hinter einer Plane hervor die von winzigen Löchern durchzogen war, die Frau von Aqua lag dahinter.
„Sir“, begann richter noch während sich sein Helm öffnete, „Mr. Harold schickt mich sie hier heraus zu holen. Wir müssen uns beeilen, die Europs nähern sich unserer Position!“
„Gut, nehmen Sie die Frau mit, sie könnte mich identifizieren“, erwiderte Jonas mit sehr rauer Stimme.
„Vier, Fünf und Sechs, Sie nehmen Jonas und die Frau, Zwei und Drei, Sie decken mit mir den Rückzug, los jetzt, wir haben nur noch ein paar Sekunden!“, befahl er und sofort hatten zwei seiner Leute die bewusstlose Frau und Mr. Jonas geschnappt und begannen zu laufen, weg vom Marktplatz, hin zur nächsten Landezone.
„Eins hier, erbitte umgehende Abholung!“, sprach Richter bereits weiter als er sich umdrehte und die Lage auf dem Marktplatz sondierte.
Er hasste den Helm, aber normalerweise schloss er ihn sofort wieder wenn er von Angesicht zu Angesicht mit jemandem gesprochen hatte, diesmal kam der Impuls den Helm zu schließen jedoch zu spät wie er entsetzt feststellte als er sich umgedreht hatte. Drei Europäer hatte hinter ihm Stellung bezogen, eine von ihnen stand mit offenem Helm und langen roten Haaren etwas hinter den zwei knienden Soldaten die auf ihn und seine beiden Leute angelegt hatten.
„Fuck!“, entfuhr es ihm bevor er den Helm schloss, sich umdrehte und rannte.
Seine beiden verbliebenen Kameraden waren es gewohnt effizient zu reagieren, wenn er sch umdrehte und lief war das für sie Befehl genug, dann drehten sie ebenfalls um und liefen, Hacken schlagend um den Europäern keine guten Gelegenheiten für saubere Schüsse zu geben.
Ein paar Straßen weiter wartete der Springer über einem kleinen Brunnen. Richter und seine Leute hatten es bisher noch nicht geschafft die Europäer abzuschütteln, aber sie hatten auch keine nennenswerte Zeit mehr um das zu erreichen, die Zielperson musste ausgeflogen werden, sofort!
Die Soldaten hinter ihnen, in ihren kraftverstärkenden Anzügen, waren zwar nicht halb so elegant wie Richter und seine Leute, dafür aber wesentlich schneller und wenn sie in Reichweite kommen sollten würde einer ihrer Schläge den betreffenden Kämpfer einfach zerschmettern. Richter war bei einigen Gelegenheiten etwas hinter seinen Leuten zurück geblieben um sicher zu gehen das alle seine Leute im Springer waren wenn er den Piloten anwies zu starten. Als er nun ansetzte auf die Rampe des Luftgefährtes zu springen gab er dem Piloten bereits den Befehl zu starten und schaffte es dann nur noch knapp in den Springer.
Es schien ewig zu dauern bis sich der Helm wieder geöffnet hatte, dann aber konnte er endlich wieder frei atmen. Er blieb einen Moment auf dem Boden liegen um nach Atem zu ringen.
„Wer war das?“, fragte Mr. Jonas mit scharfem Ton.
„Keine Ahnung, irgendwelche Europäer“, erwiderte Richter keuchend vom Boden.
„Wenn das so ist“, erwiderte Mr. Jonas nur dessen Gesicht sich inzwischen mehr und mehr veränderte während Naniten sein Aussehen zumindest ein wenig veränderten damit seine Gesichtszüge nicht mehr sofort erfasst werden konnten.
„Feindliche Infiltratoren haben uns eben unsere Zielperson vor der Nase weggekrallt! Sie sind mit einem Springer direkt aus der Stadt gestartet! Hat Sie irgendwer auf de Schirm?“, fragte Richter in eine offene Verbindung an die Zentrale.
„Bestätige, nicht identifizierter Springer ist auf unseren Schirmen. Sie verwenden eine Mixtur aus europäischen und terranischen Streusignalen und Radarblockern, aber wir haben eine Peilung. Sie sind noch sehr nah“, kam die prompte Antwort aus der Zentrale.
„Abfangen, wir dürfen nicht zulassen das sie entkommen, aber Vorsicht es ist eine Bürgerin der Republik Aqua und ein gebürtiger Europäer an Bord!“, meldete sie.
„Wir entsenden Abfangjäger die sie zur Landung zwingen, wenn möglich.“
„Ich muss Sie leider unterbrechen“, mischte sich kurz darauf jemand ein dessen Stimme Richter nicht kannte, „aber es besteht Grund zu der Annahme das dieser Springer zu einem kürzlich hier im Orbit aufgetauchten Schiff gehört das bereits vor einiger Zeit den Verdeckten Operationen durch die Lappen gegangen ist, es wurde eben erst entdeckt und identifiziert. Sie müssen den Springer mit allen Mitteln aufhalten, wenn sie nicht landen müssen Sie sie abschießen lassen!“, kam der Befehl von dem Unbekannten.
„Wer sind Sie?“, fragte Richter wütend, „ich habe nicht Wochen damit zugebracht diese beiden zu finden damit Sie hier einfach alles und jeden töten lassen können.“
„Tut mir leid, Richter, mein Name ist Beck. Ich habe eben die Weisung erhalten dieses Schiff aufzugreifen oder zu zerstören. Wenn dieser Springer dazu gehört dann hat diese Sache hier Vorrang“, erklärte er und klang wenig erfreut über das was er sagte.
„Aber da sind Zivilisten an Bord!“, rief sie fast außer sich.
„Ich weiß und es gefällt mir ebenso wenig wie Ihnen, aber diese Weisung kommt vom mASD“, fuhr er fort.
Richter schluckte. Sie hatte von Beck gehört, einmal. Er war einer dieser Wölfe von der Aufklärung die mit ihrem Schiff Tagelang hinter feindlichen Linien Stellungen und Schiffsbewegungen aufzeichneten wenn die feindliche Stellung für die Infiltration oder die Verdeckten Operationen zu unwichtig war. Sie hatte gehört das er ein ehrlicher Mann und absolut loyal gegenüber der Flotte und ihrem Kodex war. Sie hätte selbst dahinter kommen können das er nicht selbst auf die Idee gekommen war Zivilisten abzuschießen.
„Verstanden, Kapitän Beck, entsenden Abfängjägergeschwader und Drohnen um das Schiff zur Kooperation zu zwingen“, meldete die Zentrale und noch im gleichen Augenblick jagte eine Staffel Kampfdrohnen über die Stadt hinweg.
Die weite Deltaformation zog rasend schnell und fast völlig geräuschlos über die Dächer der gedrungenen Fachwerkhäuser. Die Menschen die sich noch auf den Straßen aufhielten und nach oben sahen konnten ein paar schwarze Umrisse erkennen die wie große dunkle Vögel über sie hinweg jagten. Kurz darauf folgten drei Abfangjäger der Luftwaffe die mühelos zu den Drohnen aufschlossen.
Als sie zu dem Springer aufschlossen löste sich die Formation der Drohnen auf und sie bereiteten sich auf die Eskorte vor.
„Nicht identifizierter Springer, hier spricht Watcher, drosseln Sie Ihre Geschwindigkeit und folgen Sie uns. Wenn Sie nicht kooperieren werden wir das Feuer eröffnen.“
Die Mitteilung war schlicht gehalten und mit kühler Stimme gesprochen. Der Kampfpilot des führenden Abfangjägers war instruiert worden ohne Gnade zu schießen wenn sie die Anweisungen nicht befolgten, es war unbekannt wer sie waren und es kümmerte ihn auch nur sehr wenig. Es würde ihm nicht leicht fallen sie abzuschießen, das stand immerhin fest, schließlich hatten sie eine unschuldige Geisel an Bord. Ändern tat das freilich nichts, soweit er wusste kam der Befehl sie an der Flucht zu hindern vom mASD und er konnte seine Karriere schlicht an den Nagel hängen wenn er sich mit denen anlegte. Er schaltete seine Zielerfassung auf den Springer auf.
„Letzte Warnung, geben Sie ihre Flucht auf und folgen Sie uns. Sie haben dreißig Sekunden bevor ich das Feuer eröffne.“
Anstatt langsamer zu werden beschleunigte der Springer plötzlich. Die Drohnen jagten hinterher. Sie waren so programmiert worden sich so lange ruhig zu verhalten wie der Feind ruhig blieb. Die plötzliche Beschleunigung wurde von ihrer Programmierung als offensichtlich feindlicher Akt gewertet und sie nahmen die Verfolgung auf, beschleunigten ebenfalls und konnten bisher noch mühelos zu dem Springer aufschließen. Warnungen waren wichtig entschied der Schwarmprozessor der aus den zusammen geschalteten Prozessoren aller Drohnen des Geschwaders entstand. Zwei Drohnen überholten den Springer spielend und machten damit deutlich das sie noch viel Luft nach oben hatten während sich drei weitere einfach nur direkt vor den Springer setzten, so das die beiden Piloten aus der Pilotenkanzel heraus die Waffen der unbemannten Flugkörper sehen konnten.
Der Springer sackte nach unten weg, tauchte unter den Drohnen hindurch und zog dann in einer weiten Kurve westwärts wieder nach oben, erhöhte dabei seine Beschleunigung und zog dabei lange Kondensstreifen an seinen Tragflächen hinter sich her. Die Drohnen reagierten nur Sekundenbruchteile später. Sofort schätzen sie im Verbund die Flugroute ab und errechneten Abfanggeschwindigkeiten für mehrere mögliche Punkte an denen sie wieder zu dem Springer aufgeschlossen haben könnten. Sie entschieden sich für eine möglichst frühe Rückkehr zu dem Feind um ihm zu zeigen das er nicht entkommen könnte. Als die schlanken Flugkörper der Drohnen, mit ihren weit aufgespannten Deltaflügeln in atemberaubend engen Kurven ihren Kurs änderten zog der Springer bereits nach oben.
Nur um kurz darauf sofort wieder abzutauchen als die drei Abfangjäger herbeigeprescht kamen und ihn unter Feuer nahmen. Einer der Jäger setzte im Vorbeiflug eine Rakete aus die eine enge Wende flog bevor sie wieder auf den Springer ausgerichtet war. Der Pilot des Springers schaffte es nur knapp Gegenmaßnahmen einzuleiten um die Rakete abzulenken. Da übernahmen die Drohnen. Sie hatten entschieden das es nun vorbei war mit den diplomatischen Versuchen und eröffneten nun ihrerseits das Feuer.
Kasheen mit ihrer kompletten BigBand, noch dazu länger, mit exklusiven Titeln die sie nur hier in Grauburg vortrug. Mark konnte es kaum fassen das er zu den wenigen Leuten gehörte die quasi in der ersten Reihe standen. Er genoss jede Sekunde des Konzertes, auch wenn er ständig die Anweisungen von der Regie vor sich hatte und in höchster Konzentration Kasheen im Fokus halten musste, die meiste Zeit zumindest. Worüber er sich am meiste freute war die Tatsache das er eine live Aufzeichnung von dem Konzert hatte, von ihm selbst angefertigt. Er glaubte nicht daran das Nikolas ihm verbieten würde die Aufzeichnung in seinem Speicher zu behalten, immerhin ging das Material ohnehin live heraus, auch wenn es in Neu Berlin erst in ein paar Stunden eintreffen würde.
In unregelmäßigen Abschnitten versank die Bühne in dichtem Nebel während Kasheen ihre Kleidung rekonfigurierte, Mark ging zumindest davon aus das sie über intelligente Kleidung verfügte die ihre Form und Farbe ändern konnte, die Zeit reichte eigentlich nicht um sich aus den teilweise hautengen Kleidern zu schälen die sie das ganze Konzert über zur Schau trug. Was ihn aber am meiste begeisterte als die ständig wechselnden Kleidern war die Tatsache das sie auf diesem Konzert nicht einmal ihre Frisur änderte, war es doch früher ein gewisses Markenzeichen für sie gewesen bei keinem einzigen Titel mit der gleichen Frisur auf der Bühne zu stehen. Stattdessen trug sie langes kastanienfarbenes Haar zur Schau, was bei ihm ein paar alte Erinnerungen weckte, an eine Zeit vor all dem hier.
Mit donnerndem Applaus endete das Konzert nach dem letzten Lied und Kasheen verschwand nach der gefühlten hundertsten Danksagung an ihre Fans erneut im Nebel. Kaum war sie von der Bühne verschwunden wurde Mark auch bereits von Nikolas abgeholt.
„Los Junge, wir müssen noch auf eine Party, die Regie hat die Kameradrohnen draufgeschaltet bis die Aftershowparty beginnt, aber wir wollen ja möglichst früh da sein“, beeilte sich Nikolas Mark zu erklären.
Der Student stieg so schnell er konnte in den Schweber und kurz darauf waren sie auch schon unterwegs. Die meisten Fans würden erst später zu der Party kommen, schätzte Mark, die große Menge war immer noch mit Jubeln beschäftigt.
Der Ort der Aftershowparty war ein recht großer Club in der Nähe des Festgeländes, aber für alle Fans würde es nicht reichen. Nur die wenigen glücklichen die eine Karte hierfür hatten ergattern können waren hier, das galt sogar für die Berichterstatter von denen Mark bisher nur Nikolas und seine Kollegen von den Action News gesehen hatte. Sonst hatte es kein einziger Berichterstatter auf diese Party geschafft? Gar keiner? Mark spürte ein freudiges Zittern, egal was er heute Abend noch aufzeichnete, wenn Kasheen dabei war würde er heute ein kleines Vermögen verdienen. Und wenn er ihr noch ein paar Antworten entlocken konnte dann würde es vielleicht sogar ein großes Vermögen werden.
Der Abend und die Nacht wurden sehr lang und die Party sehr ausschweifend, doch gerade deshalb hatte Mark umso mehr Spaß. Ein paar mal hatte er Kasheen gesehen, wie sie auf der Tanzfläche feierte oder von der Bühne des Klubs, Akapella ein spontanes Wunschkonzert zum Besten gab und laut darüber lachte wenn sie aufgrund von Erschöpfung oder Heiserkeit einen Ton nicht mehr traf. Nikolas hatte er den ganzen Abend über kein einziges mal mehr gesehen und für die Anderen hatte er sich gar nicht mehr interessiert. Als Kasheen dann drauf und dran war den Club zu verlassen sah er seine Chance gekommen. Nahe am Ausgang wartete er bis sie etwa in Hörweite vorbeikommen musste.
„Kasheen“, rief er als sie vorbei kam und für einen winzigen Augenblick erhaschte er ihre Aufmerksamkeit, doch das reichte nur für einen weiteren, vielleicht letzten Versuch sie wirklich auf ihn aufmerksam zu machen.
„Gabi“, rief er noch mal als sie ihn im Blick hatte und ihr Blick veränderte sich plötzlich.
„Mark?“, fragte sie und sah ihn fasziniert und Ungläubig zugleich an.
„Du kennst sie?“, kam plötzlich Nikolas’ Stimme aus dem Interlink in seinem Ohr.
„Gabi, hey!“, antwortete er ihr und ignorierte Nikolas geflissentlich.
Einer ihrer Leibwächter lies Mark durch und sie warf sich ihm förmlich um den Hals. Wie sehr hatte er das vermisst.
„Hast du noch ein bisschen Zeit mir ein paar Fragen zu beantworten? Für deine Fans auf Neu Berlin?“, fragte er dann direkt, er wollte sie nicht belügen.
„Ah, verstehe, die Presse hat dich also verpflichtet mich auszuquetschen, sehr geschickt“, antwortete sie und lachte.
„Ja und nein“, erwiderte er.
„Naja, ein paar Fragen kann ich dir kaum ausschlagen, aber nicht hier“, sagte sie und führte ihn nach draußen zu ihrem Schweber.
„Achtung, an alle Schiffe, eintreffendes Wurmloch im Orbit des Planeten Spandau verzeichnet. Alle Einheiten in roten Alarm versetzen. Roter Alarm für das ganze System“, ging die Meldung durch das ganze Neustern System während über Spandau sich ein Wurmloch zu öffnen begann wie bereits über Cassilla.
Kaum war der Sprungmond aus dem Wurmlochterminus gebrochen entließ er bereits hunderte terranische Kriegsschiffe die ohne weitere Warnungen oder gar Kommentare das Feuer auf alles eröffneten was sich in ihrer Reichweite befand und nicht zu ihnen gehörte. Die europäischen Schiffe die es bis dahin in den Orbit geschafft hatten wurden einfach weggeblasen, sie hatten keine Chance gegen die Übermacht zu bestehen. Langstreckengeschütze wie sie die Terraner sonst nie einsetzten vernichteten mit gezielten Schüssen Verteidigungseinrichtungen und Depots, Raumhäfen und Habitate, alles was sich in Sichtweite des Sprungmondes im Orbit des Planeten befand wurde unter Beschuss genommen. Sogar die Städte auf einem der beiden Monde Spandaus mussten die zerstörerische Kraft der terranischen Großgeschütze erfahren. Und da hatten sie noch nicht einmal mit dem Angriff auf die Welt angefangen. Auf der dem Planeten Spandau abgewandten Seite des Sprungmondes öffnete sich ein fest installiertes Sprungtor das ein stabiles und ortsfestes Wurmloch beinhaltete. Durch den Durchgang strömten kurz nach seiner Öffnung weitere terranische Kriegsschiffe, angeführt von drei Schlachtträgern.
Es waren etwa fünf Minuten vergangen als die ersten Truppentransporter zur Oberfläche des Planeten starteten, ausgesetzt von den Schlachtträgern verzögerten sie stark um auf perfekt berechneten ballistischen Bahnen in Richtung der größeren Städte des Planeten Spandau dem Planeten entgegen zu sinken.
Der Plan war perfide und vor allem, er war aufgegangen. Systeme die nahe den bisherigen Sprungmondzielen lagen waren verstärkt worden, andere Systeme lagen deshalb inzwischen brach. Systeme die tiefer in europäischem Raum lagen, wie Neustern zum Beispiel. Weit hinter Rabenstern war es unwahrscheinlich erschienen es stärker zu befestigen. Sie waren eben nicht mehr auf Krieg eingestellt, die Europäer, verweichlicht und schwach würden sie zusehen müssen wie die Sprungmonde in großer Zahl Schiffe und Truppen in die verletzlicheren Systeme schafften damit die Truppen Terras einfach alles niederbrennen und abschlachten konnten was ihnen in den Weg kam.
„So, dann erzähl mal, für wen arbeitest du denn?“, fragte Gabriela als sie und Mark sind in der Limousine gegenüber saßen.
Er errötete leicht.
„Naja, Action News“, sagte er daraufhin und er hörte die Regie bereits fluchen.
„Geht doch noch, die haben zwar sicherlich nicht den besten Namen, aber es gibt wesentlich schlimmere Agenturen.“
Das Schwebefahrzeug war auf dem Weg zurück in den Untergrund der Stadt, die wenigen noch an der Oberfläche befindlichen Einrichtungen und Anlagen, Komplexe und Gebäude gehörten zum Aushängeschild der Stadt oder konnten schlicht nicht in den Untergrund der Stadt Grauburg verlegt werden.
„Soll ich dich jetzt wieder Kasheen nennen oder geht auch weiter Gabi? Wo ich schon dabei bin, entschuldige dieses fiesen Trick bitte, aber ich musste deine Aufmerksamkeit ja irgendwie erregen“, sagte er entschuldigend.
„Ach was, macht doch nichts, die meisten Leute wissen ja eh wie ich heiße, ist ja auch kein Geheimnis. Es wird für die meisten Menschen viel interessanter sein zu erfahren warum du mich überhaupt Gabi nennst“, sagte sie und grinste.
„Tja also weist du…“, weiter kam er nicht denn plötzlich mischte sich die Regie wieder ein.
„Mark, du musst unbedingt einen Blick in den Himmel werfen wenn du kannst! Wir brauchen Bilder vom Nachthimmel, schnell!“
„Gabi, kannst du den Fahrer dazu bringen noch ein bisschen an der Oberfläche zu bleiben? Meine Regieleute wollen noch ein paar romantische Sternenhimmelbilder haben“, sagte er genervt doch sie hörte ihm kaum noch zu.
Die Limousine hielt unerwartet und Mark wollte schon fragen was los war als ihm ihr Blick auffiel. Kaum stand das Fahrzeug riss sie die Tür auf und sprang hinaus, was er kurz darauf auch tat. Als er dann zum Himmel sah, wie man ihm aufgetragen hatte verschlug es ihm die Sprache, den Atem und jeden vernünftigen Gedanken den er bis eben noch gehabt hatte.
Da hing ein dritter Mond über ihnen und er hatte absolut nicht die geringste Ahnung wo der hergekommen sein mochte.